01.06.2018 – Tief brachte Gewittersystem und viel Regen

MEINE BEOBACHTUNG, Bergheim (50126), Stadtzentrum

Kurzübersicht: Höchsttemperatur +20,3°C ; Niederschlag: 43,8 l/m² ; Hagel: keiner ; Windböen: ~ 40-50 km/h. Ein paar Fotos findet ihr unter dem Artikel.

Analyse – Kachelmannwetter.com:  Niederschlagssumme ; Blitze ; Wolkentops-Minimaltemperaturen

 

Viele Modelle hatten die Wetterlage am späten Vorabend dann schon richtig gesehen, doch manch andere Wettermodelle ließen diese Berechnungen noch etwas unsicher erscheinen. Die Mehrheit der Wettermodelle hatten das simulierte Gewittersystem für uns bereits morgens berechnet, während ein paar Andere eher vom Vormittag oder gar Mittag ausgingen. Ankommen sollte das Gewittersystem (MCS) zwischen 6-7 Uhr und meine Wettererfahrung der ganzen letzten Jahre sagte mir, ich solle den Wecker lieber etwas früher stellen. Um kurz nach 5 Uhr wachte ich von selbst auf und der Blick auf das Radar zeigte dann schon das, was man sich bei den Simulationen so vorstellen konnte. Das MCS erstreckte sich grob von Gummersbach bis nach Belgien hinein und innerhalb des vorderen Bereiches konnte man eine sehr aktive Gewitterlinie erkennen. So stell ich mir einen schönen MCS vor.Der erste Regen setzte bereits im Kerpener Bereich ein und erreichte gegen 5:30 Uhr auch Bergheim-Mitte. Dabei waren in südöstliche und südliche Richtungen immer wieder Blitze zu sehen, begleitet von noch leiserem Donner. 

Noch bevor die Gewitterlinie die Region um Kerpen erreichte hatte, war bereits um 5:45 Uhr eine Abschwächung der Blitzaktivität zu sehen und auch die Niederschläge hatten nicht mehr die Intensität wie weiter südlich. Trotzdem war der Blick nach Südosten interessant, da sich hier leichte Konturen einer Shelfcloud zeigten. Besonders schön strukturiert war diese dann aber leider am Ende nicht. Ungefähr ab 6 Uhr griff der Starkregen dann auf Kerpen über und später auch auf Bergheim. Der Starkregen hatte eine normale Intensität und war keinesfalls unwetterartig. Auch dauerte er nie lange, sondern trat nur zeitweise auf. Die Blitzrate war eher gering in unserer Region, vorallem wenn man sie mit der recht hohen Blitzrate vergleicht, welche die Gewitterlinie weiter südlich noch zeigte. Noch über Bergheim schwächte sich die Regenintensität mehr und mehr ab, sodass zum Beispiel Bedburg schon schwächere Regenfälle abbekam. Blitze traten nur noch vereinzelt auf und im Bereich Grevenbroich gab es dann schon fast gar keinen Starkregen mehr. Gegen 7:45 Uhr wurde es dann von Süden zunehmend trockener und der Regen stoppte allmählich in Kerpen und gegen 8 Uhr dann auch in Bergheim – vorerst zumindest.   

Im weiteren Tagesverlauf nahm ein kleinräumiger Tiefkern Einfluss auf unser Wetter, da dieser ganz langsam nach NRW reinzog und sich nur wenig weiter in nördliche-nordöstliche Richtung verlagerte. Die Strömung drehte dabei auf West sodass nun auch die östlichen Schauer und Gewitter sich zumindest teils in unsere Richtung verlagerten. So ungefähr um 11:25 Uhr war es dann mit der Regenpause seit dem MCS vorbei und aus Osten kam leichter bis mäßiger Regen auf der zu einem ehemaligen Gewitter im Bereich Leverkusen gehörte. Eigentlich ein recht kleines Gebiet mit zeitweise schauerartigem Regen dachte man, als man es auf dem Radar beobachtete. Da aber aus Westen der Tiefkern sich ebenfalls schon sehr genähert hatte, war ein einfach über uns nach Westen durchziehen für das Schauergebiet nicht möglich. So passierte es dann, dass dieses Regengebiet zeitweise sogar stationär über uns wurde und es ohne Unterbrechung regnete und regnete. Zeitweise war der Regen vielleicht mal eine Art leichter Starkregen, aber meist war es einfach nur wie Landregen. Durch den Tiefkern in der Nähe erzeugte dieser immer wieder Hebung für dieses und andere Schauergebiete rund herum, sodass unser Schauergebiet munter weiter abregnen konnte. Erst gegen 14:30 Uhr konnte man eine allmähliche Abschwächung des Niederschlags erkennen und gegen 15:45 Uhr hatte der wirklich nennenswerte Regen aufgehört. Nachfolgend gab es zeitweise noch etwas Nachschub, aber nur noch selten war es stärkerer Regen. Besonders kurz nach 18 Uhr schob sich noch einmal mäßiger Regen von Süden in die Kerpener Region, doch lange hielt sich der Regen hier auch nicht mehr.

 

Zusammenfassung für unsere Region: Das Gewittersystem am Morgen brachte zum Glück keinerlei unwetterartige Entwicklungen mit sich und auch die Niederschläge hielten sich hier in Grenzen. Im Kerpener Raum fielen meist 15-25 l/m², Bergheim-Mitte waren es um die 13 l/m², bei Elsdorf so zwischen 8-12 l/m² und in Bedburg nur noch lediglich zwischen 6-9 l/m². Hier ist also auch gut die Abschwächung zu erkennen. Der Regen dann tagsüber brachte dann verbreitet natürlich höhere Mengen, was sich gut in der Niederschlagssumme vom gesamten Freitag wiederspiegelt (diese habe ich euch ja zu Beginn verlinkt). Hier kommt man im Bereich Kerpen dann in 24 Stunden auf Mengen zwischen 35-55 l/m². Sindorf und Bergheim hatten insgesamt so Regenmengen zwischen 30-50 l/m² (Bergheim-Mitte mit 43,8 l/m² an meiner Messstelle). Elsdorf waren es 20-35 l/m² und in Bedburg noch ungefähr zwischen 20-30 l/m². Sehr auffällig ist ein Bereich grob östlich von Bergheim, zwischen Bergheim –> Weiden –> Mengenich. Hier sind vermutlich (zumindest laut Radar) lokal Mengen zwischen 60-80 l/m² gefallen.

Die Erft führte dann auch relativ schnell Hochwasser, da im gesamten Einzugsgebiet der Erft südlicher ebenfalls Mengen zwischen 35-50 l/m² lokal gefallen waren, lediglich südlich von Erftstadt bis Euskirchen war es mit 10-20 l/m² weniger. War der Erftpegel bei Glesch am Morgen noch bei 163,2 cm, so schnellte er dann besonders vormittags bis nachmittags in die Höhe und hatte schon um 15 Uhr die 192 cm geknackt. Um 16 Uhr wurde dann die Informationsstufe 3 erreicht. Gegen 18:30 Uhr erreichte die Erft ihren Höchsttstand von 198,4 cm. Bei einem kleinen Spaziergang machte ich mir ein Bild von der Uferregion und einige Gehwege waren dann wie erwartet schon nicht mehr passierbar, zumindest nicht ohne Gummistiefel. 

 

                         

 

 

 

MARKANTE GEWITTERLAGE am Freitag, 01.06.2018:
Morgens wahrscheinlich Ankunft eines MCS, teils ergiebiger Starkregen, Hagel und Sturmereignisse möglich

 

WETTERLAGE: Am morgigen Freitag erwartet uns nun der Höhepunkt der nun schon einige Tage andauernden Gefahrenlage bezüglich Gewitter. Zugleich ist es der am schwersten vorherzusagende Termin, denn es gibt kaum Einigkeit bei den Wettermodellen. Der Grund ist aber auch recht schnell gefunden, da sich in südlichen Deutschland ein Gewittersystem (MCS) bilden soll. Dieses wird ausgelöst durch einen sogenannten Randtrog. Dieser stößt etwas weiter nach Norden bis grob in die Mitte Deutschlands vor und erzeugt auf seiner Vorderseite ordentlich Hebung. Die Zugbahnen des MCS und auch wie er sich genau entwickeln ist von den Wettermodellen nur schwierig zu erfassen, sodass sich da nun große Unsicherheiten ergeben.

Zeitlicher Ablauf: Es deutet sich in der Wettermodellwelt an, dass erste Ausläufer des MCS bereits morgens von RLP in den Süden von NRW reinziehen könnten. Da es sich wahrscheinlich um ein größeren Komplex handeln wird, wird uns dieser dann natürlich längere Zeit beschäftigen – eventuell bis in den Nachmittag hinein. Sollte es am frühen Nachmittag schon wieder einstrahlen können, könnten sich vielleicht bis abends noch einzelne neue Gewitter entwickeln. Sollte sich das MCS aber stundenlang ausregnen, dürfte es das mit der Energie für neue Gewitter eigentlich gewesen sein. Das muss man dann aber Morgen in Ruhe gucken.

 

GEWITTER: Bereits ab Morgenfrüh (je nachdem wie sich der Gewitterkomplex nachts entwickelt) sind dann erste kräftige Gewitter nicht ausgeschlossen. Diese können lokal auch schon unwetterartig ausfallen. Spätestens am Abend sinkt die Wahrscheinlichkeit für Gewitter deutlich, eventuell auch schon früher je nachdem wie sich das Ganze Morgen entwickelt.

NIEDERSCHLAG: Auch am morgigen Freitag liegt der Hauptfokus wieder auf dem Niederschlag. In der Atmosphäre über uns sind zeitweise 30-45 l/m² was für die Möglichkeit von extremen Regenfällen spricht – natürlich wieder nur sehr lokal. In Verbindung mit dem aufziehenden MCS kann es zu länger anhaltendem und ergiebigem Starkregen kommen. Dabei kann es definitiv auch zu lokalen Überschwemmungen kommen. Die simulierten Niederschlagsmengen der Wettermodelle darf man nie im Detail übernehmen, aber sie geben schon so eine Tendenz das teils richtig Regen runterkommen wird. Viele Modelle sehen Mengen zwischen 20-50 l/m², einzelne gehen lokal sogar wieder über die 100 l/m². Im Eifelgebiet fällt in der Simulation teils sogar die 200 l/m² in relativ kurzer Zeit, was natürlich verherende Folgen hätte. Aber auch deutlich weniger (50 l/m² zum Beispiel) kann fatale Folgen haben, fallen diese in recht kurzer Zeit. Man muss aber einfach abwarten, was wo Morgen fällt. In Verbindung mit Gewittern kann lokal auch wieder Hagel fallen, der auch mal ein wenig größer sein kann.

WIND / STURM: Erneut überhaupt nicht gut ist die Tatsache, dass der Wind immernoch recht schwach ist. So ziehen auch Morgen die Schauern und Gewitter (oder eben das MCS) recht langsam gen Norden, was natürlich die Hauptursache für diese teils absurd hohen simulierten Niederschlagssummen. Allerdings kann es in Verbindung mit dem MCS zu Sturmböen oder noch stärkeren Sturmereignissen kommen. Auch sollten später noch einzelne Schauern und Gewitter hinter dem MCS entstehen, kann es hier noch zu Sturmböen kommen. Zu beachten ist auch, dass die unteren Luftschichten teils trocken sind. Das macht einzelne Downbursts möglich, die richtig kräftige Sturmereignisse ermöglichen können.

 

Veröffentlicht: 31.05.2018 um 20:55 Uhr

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