07.08.-09.08.2018 – Tiefdruckgebiete verdrängen Hitze

 

WETTERLAGE: Nachdem nun grob seit Ende Juni Dauersommer herrscht mit überdurchschnittlichen Temperaturen und nur wenigen kühleren Tagen, schafft es nun doch tatsächlich mal das Tief bei Island auch bei uns etwas wetterwirksamer zu werden und die Situation etwas zu entspannen. Nicht nur in den Statistiken wird der Sommer 2018 schon jetzt ein besonderer Sommer bleiben denn selten (wenn überhaupt schon einmal) hatten wir soviele Sonnenstunden und derart sehr warme bis heiße Tage nahezu ohne Unterbrechung. Die Monatsmittelwerte lagen deutlich über den durchnschnittlichen Mittelwerte der vergangenen 20 Jahre (und der Zeit davor sowieso) und besonders der Juli hat sich mit einer Abweichung von +4,3°C deutlich hervorgehoben. Die Temperaturen an sich alleine wären gar nicht so schlimm gewesen – selbst wenn ja auch diese bei vielen Menschen gesundheitliche Probleme verursachen – wenn es denn etwas öfters und mehr geregnet hätte. Seid Juni fiel nur noch an ganz vereinzelten Tagen wirklich messbarer Regen, doch dieser war für die Natur nur eine kurze Hilfe.  Nun kommt also nach wochenlangem meist dominierendem Hochdruckwetter mal wieder etwas bewegung in die Wetterküche. Dabei zieht ein Tief mit immerhin ~ 1002 hPa Kerndruck vom südlichen Großbritannien über die Nordsee in den Süden von Norwegen/Schweden und erfasst uns mit seinen Wetterfronten. Dieses Tief ist aber nur ein kleiner Teil des Ganzen, denn es bringt nur eine leichte Abkühlung. Das steuernde Tief befindet sich bei Island und wird wahrscheinlich am Donnerstagabend seine Kaltfront über uns hinwegziehen lassen. Hinter dieser kommt es dann zu einem richtigen Luftmassenwechsel. Markant ist hier aber nicht wirklich die Kaltfront, denn vor dieser wird sich wohl eine Konvergenz ausbilden – wie das vor Kaltfronten durchaus öfters passiert. Dabei bildet sich aber im Bereich Belgien / Niederlande ein kleines Tiefdruckgebiet welches schnell an Kraft gewinnen sollte. Dieses Tief ist es, dass sehr wahrscheinlich großflächig für eine Unwetterlage sorgen sollte die besonders wohl die Niederlande und die deutsche Nordwestküste treffen könnte. Dort sind teils Orkanböen nicht ausgeschlossen. Bei uns konzentriert sich die Unwettergefahr hauptsächlich auf die durchziehende Konvergenz.

Wetterfronten: Dienstag erreicht uns rasch die Warmfront des kleinen Tiefs das nordostwärts über die Nordsee zieht. Die zum Tief gehörende Kaltfront wird uns wohl Mittwochmorgen oder vormittags erreichen. Anschließend bleibt die Temperatur der Luftmasse erst einmal ziemlich gleich. Am Donnerstag wird es dann spannender und auch eine großflächige Unwetterlage ist durchaus möglich oder sogar wahrscheinlich. Die Konvergenz soll samt möglicher Gewitterlinie am frühen Nachmittag auf unsere Region übergreifen. Hier ist also die Unwettergefahr bei uns am höchsten.  Die Kaltfrontpassage dann am Abend wird mit nur geringer Aktivität simuliert was auch plausibel scheint, nachdem die Konvergenz die meiste Energie bereits entzogen haben wird.

 

 

Dienstag, 07.08.2018: Am Dienstag wird uns eine Warmfront beeinflussen sodass die Temperatur noch einmal steigen wird – der erst einmal heißeste Tag für eventuell längere Zeit. Der Himmel an sich wird teils wolkenfrei sein, teils wird aber bereits hohe Bewölkung vorhanden sein. Wie auch bereits am heutigen Montag werden definitiv sogenannte Cirren (Federwolken) am Himmel zu sehen sein, sodass auch Nebensonnen und andere Halos auftreten können. In der Nacht auf Dienstag sind Tiefstwerte zwischen 20-22°C zu erwarten und die Temperatur wird unter Einfluss der Warmfront schnell in die Höhe gehen. Nachmittags und zum Abend sind Höchstwerte zwischen 36-38°C zu erwarten, lokal vielleicht auch ein wenig mehr. Selbst am späten Abend werden es wohl noch um die 25°C sein. Allgemein sollte der Tag ruhig verlaufen. Unsicherheiten gibt es bezüglich möglichen Schauern und Gewittern aus West-Südwest im Abendverlauf. Manch ein Wettermodell sieht die Möglichkeit, andere Modelle aber eben nicht. Die Möglichkeit ist aber gegeben, dass es erste Zellen auch über die Grenze zu uns schaffen können. 

Mögliche lokale Begleiterscheinungen: Sollte es im Abendverlauf wirklich einzelne Entwicklungen geben, ist eigentlich mit der kompletten Palette für Unwetterzu rechnen – wie immer lokal versteht sich. Die Energiewerte sind mit 1000-1500 J/kg erhöht und auch niederschlagbares Wasser ist mit bis zu 40 l/m² mehr als genug in der Luft über uns. Hinzu kommen günstige Windscherung was für kräftige organisierte Gewitter sorgen kann. Von lokal heftigem Starkregen bis hin zu größerem Hagel ist alles möglich. Auch Sturmereignisse sind bei gut organisierten Schauern und Gewitter denkbar – von Sturmböen bis hin zu schweren Sturmböen oder gar noch mehr bei besonders heftigen Gewittern.

 

 

Mittwoch, 08.08.2018: In der Nacht auf Mittwoch sind vorderseitig der Kaltfront des Tiefs über der Nordsee weiterhin Schauern und Gewitter denkbar. Einige Modelle rechnen besonders in den frühen Morgenstunden aus W/SW ausgreifende lokal schauerartige Niederschläge oder auch mögliche lokal kräftige Gewitter. Wie sich das genau entwickelt müssen wir aber noch abwarten. Die Kaltfront sorgt dabei nur für eine leichte Abkühlung und bereits im Nachmittagsverlauf und abends besteht eine geringe Wahrscheinlichkeit das es erneut einzelne Schauern geben kann. Nach dem Abzug der möglichen morgendlichen Zellen lockert die Bewölkung wieder auf und bereits nach Mittag bilden sich wieder vermehrt Quellwolken. Die Tiefstwerte der Nacht auf Mittwoch sind dabei sehr beeindruckend denn sie sollen nach den neuen Prognosen nicht unter 24°C sinken! Das haben wir wikrlich nicht oft, passt aber natürlich vor der am Morgen durchziehenden Kaltfront. Tagsüber sind Höchstwerte um 28-30°C zu erwarten, etwas kühler als noch am Dienstag. Im späteren Abendverlauf geht es etwas runter auf 20-22°C.

Mögliche lokale Begleiterscheinungen: Sollte es im Nachtverlauf und morgens zu Schauern oder Gewittern kommen, ändert sich zu den möglichen Begleiterscheinungen vom Vorabend nur sehr wenig. Immernoch ist genug Energie vorhanden und auch niederschlagbares Wasser ist unverändert eine hohe Menge in der Luft. Lokal ist also falls etwas aufzieht auch weiterhin mit teils heftigem Starkregen zu rechnen. Die Hagelgefahr dürfte dabei nachts ein wenig abnehmen, ausschließen kann man ihn aber auch dann nicht. Auch Sturmereignisse sind bei gut organisierten Schauern und Gewitter weiterhin denkbar – von Sturmböen bis hin zu schweren Sturmböen oder gar noch mehr bei besonders heftigen Gewittern. Die möglichen Schauern im Nachmittagsverlauf oder am Abend können dabei weiterhin mit kräftigem Starkregen einhergehen – Gewitter sind durch die etwas stabilisierte Luftmasse hinter der Kaltfront unwahrscheinlich.

 

 

Donnerstag, 09.08.2018: Am Donnerstag beeinflusst eine Kaltfront die zu einem Tiefdruckgebiet bei Island gehört unser Wetter. Nach einem wohl teils noch sonnigen Start in den Tag verdichten sich spätestens im Vormittagsverlauf die Wolken von Südwesten her rasch. Bevor uns am Abend die Kaltfront erreicht, simulieren die meisten Wettermodelle eine vorlaufende Konvergenz, die uns wohl am frühen Nachmittag erreichen sollte (evtl. so 13-14 Uhr). Durch diese ist die Bildung einer markanten Gewitterlinie möglich, die eben auch verbreitet Unwettergefahr mit sich bringen würde. Hier liegt der Fokus für Gefahren auch bei den Sturmereignissen. Nach dem wahrscheinlich raschen aber lokal sehr kräftigen Durchzug der Konvergenz beruhigt sich das Wetter erst einmal. Es sind zwar dann vorderseitig und mit der Kaltfront abends weitere Schauern und vielleicht auch noch das ein oder andere Gewitter möglich, doch die größte Menge der vorhandenen Energie dürften die Entwicklungen an der Konvergenz bereits verbaucht haben. So rechnen mehrere Wettermodelle mit geringer Aktivität an der Kaltfront. Von den Temperaturen her sind in der Nacht auf Donnerstag Tiefstwerte um 16°C zu erwarten. Tagsüber steigt die Temperatur auf Höchstwerte um 26°C und sinkt im Abendverlauf dann deutlich in Richtung 14°C ab.

Mögliche lokale Begleiterscheinungen: Die größte Unwettergefahr besteht bei uns am frühen Nachmittag wenn vermutlich eine Gewitterlinie von Westen auf unsere Region übergreift. Diese wird wenn entlang einer durchziehenden Konvergenz entstehen die uns aber dann rasch überqueren soll. Neben lokal ergibiegem Starkregen kann es lokal auch zu größerem Hagel kommen. Deutlich im Fokus der Wettergefahren sind aber die Sturmereignisse. Derartige Gewitterlinien sind bezüglich Sturmereignisse sehr gefährlich und so muss neben Sturmböen auch lokal mit schweren Sturmböen gerechnet werden. Auch kommt 2014 wieder in Erinnerung als am 9.6.2014 solch eine Gewitterlinie sogenannte Bow-Echos verursachte. Hier traten dann recht verbreitet Orkanböen auf. Sollten sich solche Bow-Segmente ausbilden besteht die Gefahr natürlich auch wieder, dass es so derart markanten Sturmereignissen kommt. Also der Wind wird Morgen dann mit das größte Gefahrenpotential bilden – wenn sich die Gewitterlinie wie simuliert entwickelt. Ist die Gewitterlinie dann rasch über uns nach Osten gezogen, kann es zum Abend hin noch einzelne Schauern und Gewitter geben – die Unwettergefahr ist aber in unserer Region dann wohl weg. Mit der Kaltfrontpassage kann es aber durchaus zu Sturmböen kommen.

 

 

 

Bitte beachten:  Die Vorhersagen wurden anhand der aktuellen Modellberechnungen (mehrere Wettermodelle, 08.08.2018, 00z) erstellt und ist daher je weiter der Termin entfernt ist oftmals noch etwas unsicher.  Besonders die zeitlichen Details der einzelnen Wetterfronten sind noch etwas unsicher. Bis zum Termin erfolgen aber immer mal wieder Aktualisierungen, die dann zunehmend genauer und detaillierter werden. Bitte beachtet zudem, dass ich nur ein ehrenamtlicher Hobbymeteorologe bin – wobei ich natürlich mein Bestes gebe, um möglichst präzise Vorhersagen zu machen.

 

Autor: Frank Rinas

Aktualisiert: 08.08.2018, 12:50 Uhr

 

 

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