13.06.2018 – Leuchtende Nachtwolken

Die neue Saison der leuchtenden Nachtwolken (NLC) hatte ja bereits begonnen doch man musste sich noch etwas in Geduld üben, bis es dann endlich auch für unsere Breiten soweit war. Nachdem die vergangenen Tage immer besonders in nördlicheren Breiten NLCs gesichtet worden waren, teils auch schwache in Norddeutschland, zeigten sich am Mesosphären-Radar OSWIN am gestrigen Mittwoch zwischen 12 Uhr bis 16:30 Uhr stärkere Signale. Sehr empfehlenswert an dieser Stelle den Informationsservice zu nutzen der auf Facebook oder im METEOROS Forum zur Verfügung gestellt wird. Hier erfährt man schon viele Jahre zuverlässig ob die NLC-Beobachtung lohnt oder eher nicht. Man kann wie gesagt auch das OSWIN-Radar auf stärkere Aktivität prüfen oder abends bei klarem Himmel einfach mal sein Glück versuchen – denn auch ohne NLCs ist es einfach nur herrlich jetzt im Sommer so spät draussen die Stimmung zu genießen. Nun aber zu meiner Beobachtung vom gestrigen Abend:

Nachdem ich die Info bei Facebook gelesen hatte das heute doch recht gute Chancen auf NLCs bestehen, war nach dem Blick auf das Wolkenradar für mich klar, dass ich mein Glück versuchen musste. Somit ging ich gegen 22:45 Uhr zum nicht weit entfernten Feld, welches in knapp 3 Minuten zu Fuß erreichbar ist. Zunächst war ich etwas skeptisch bezüglich der Bewölkung da über mir und den Häusern rundherum wechselnde Bewölkung vorlag – also sehr eingeschränkte Sicht. Ich dachte mir aber, dass ich in diesem Himmelsbereich ja eh nicht beobachten werde und ging weiter. Am Feld angekommen blickte ich dann einem verbreitet klaren Horizont von West nach Nordost entgegen – herrlich! Naja sagen wir so klar wie es eben ging, denn die Kohlekraftwerke waren natürlich trotzdem da und das gleich drei an der Zahl. Während der Horizont sehr diesig und die Luftfeuchtigkeit allgemein recht hoch war, hatte ich zumindest Glück das die Fabrikwolken relativ schnell und schmal nach oben stiegen und nicht in Horizontnähe in die Breite gingen. Die Himmelsbedingungen waren zwar nicht ideal mit teils höherer Bewölkung und eben diesem diesigen Charakter, aber für einen Versuch reichte das alle Male.

 

Visuell ging es eigentlich erst etwas später los, aber auf den Fotos die mit der DSLR gewonnen wurden sieht man, dass bereits gegen 23:16 Uhr MESZ um den Stern Capella (Alpha Aur) herum erste schwache NLCs auftauchten. Diese waren mit dem bloßen Auge aber definitiv nicht zu erkennen. Die Strukturen wurden dann gegen 23:23 Uhr MESZ etwas feiner und immerhin bereits vor Ort auf dem Kameradisplay eindeutig erkennbar. Kurz vor 23:30 Uhr MESZ wurden dann die ersten NLCs auch visuell sichtbar – wenn man denn wusste, wo man gucken musste. Auch zeigten sich hier dann NLCs erstmals in Richtung Norden, zwischen den aufsteigenden Wolken der Kraftwerke Frimmersdorf und Neurath, sogar im Ansatz schwache Strukturen erkennbar. Ohne die Kraftwerkwolken hätte es mir besser gefallen, aber es sah doch auch recht interessant aus auf den Fotos. Kurz nach 23:30 Uhr MESZ war dann in Richtung Nordwesten ein längliches Display visuell gut zu erkennen und lediglich in diesem Bereich war visuell ohne Hilfsmittel eindeutige Sichtbarkeit möglich. Auf den Weitwinkelaufnahmen die ich anschließend zur Übersicht um 23:38 Uhr MESZ machte, kann man schön die Ausdehnung der NLCs erkennen. Rein visuell war die horizontale Ausdehnung deutlich kleiner, doch die DSLR machte es möglich, zu sehen das dieser Bereich doch deutlich breiter war. Letzte feine Wolkenstrukturen waren noch etwas links vom Planeten Venus zu erahnen (WNW) und in die Gegenrichtung konnte ich bis knapp rechts neben dem Kraftwerk Frimmersdorf welche entdecken (N). Aufgrund des eher diesigen Himmels konnte ich aber keine feinen Strukturen eindeutig erkennen – vielleicht lag es auch an den NLCs selbst, da diese ja auch nicht sehr hell waren. Gegen 23:49 Uhr waren die NLCs insgesamt schon deutlich weniger geworden und lediglich im Hauptgebiet in NNW war noch ein linienhaftes Display zu sehen, auch weiterhin visuell. Man konnte aber feststellen, dass dieses immer schmaler wurde und bald auch verschwinden würde. Genau das passierte dann ziemlich genau um Mitternacht und ich beendete meine Beobachtung gegen 0:05 Uhr MESZ.

 

Zusammenfassende Infos:

  • Beobachtungsort:          Bergheim (50126)
  • Zeitraum mit NLCs:      23:16 – 0:01 Uhr MESZ
  • Himmelsrichtung:         ca. 288° (WNW) bis 356° (NNW)
  • Höhe:                               maximal ~ 13-14° ; etwas höher als Capella (Alpha Aur)
  • Helligkeit:                       2  (visuell eindeutig erkennbar, aber schwach)
  • Formen:                          Typ I + II, aber kaum Strukturen erkennbar
  • Wetter:                            Hohe Luftfeuchtigkeit, störende Fabrikwolken, horizontnah hohe Bewölkung, 12°C

 

 

 

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