16.07.2018 – Infos: Festgefahrene Wetterlage

Eine bemerkenswert stabile Wetterlage beschenkt uns nun schon seit Wochen mit wunderschönstem Sommerwetter, viele sonnige Tage und nahezu keine Niederschläge. Letzterer Punkt ist natürlich ein ganz schlechter Punkt für alle Bauern, Hobbygärtner und noch viel wichtiger für die Natur. Wir wollen uns hier in diesem Beitrag die Wetterlage mal gob ansehen um die Hintergründe dieser festgefahrenen Situation etwas besser nachvollziehen zu können. Auch auf die Folgen dieser Wetterkonstellation werde ich etwas anhand von Statistiken eingehen. Zunächst folgt nun aber eine grobe Erklärung zur aktuellen Wetterlage:

 

Allgemeines zur festgefahrenen Wetterlage:

Nicht ungewöhnlich aber konstant von der Stabilität her zeigt sich in diesem Jahr das Azorenhoch, dass ihr links auf der Karte findet – keine Überraschung denn dort befinden sich auch die Azoren. Das Azorenhoch an sich ist nichts ungewöhnliches und beeinflusst jedes Jahr mehr oder weniger unser Wetter. Diesem gegenüber kennt man ja auch das Islandtief das sich jahreszeitlich bedingt zur Zeit schwach ausgeprägt im Bereich des südlichen Grönlands befindet. Das Azorenhoch hat zudem eine beachtliche Ausdehnung in Richtung Europa und wirkt schon längere Zeit auf unser Wetter ein indem es verhindert, das Tiefdruckgebiete von West oder Nordwest zu uns nach Mitteleuropa ziehen. Grob seit Februar/März fällt dabei auf, dass unsere klassischen Wetterlagen mit Wetterfronten von Tiefdruckgebieten aus West oder Nordwest nur sehr selten auftreten. Dagegen bekommen wir oftmals Luft aus südlichen oder östlichen Richtungen. Gucken wir in den Osten von Deutschland finden wir dort irgendwann dann auch mal von etwas stärkerem Tiefdruckgebiet geprägte Regionen.

Interessant ist auch sich die eingezeichneten Luftdruckwerte mal anzusehen. Das Azorenhoch nicht überraschend mit hohem Luftdruck von 1030 hPa im Kernbereich, nach Osten hin in Richtung Europa dann weniger werdend da wir uns vom Kernbereich entfernen. Grob bei 1015 hPa wechselt man von Tiefdruckeinfluss in Hochdruckeinfluss (oder umgekehrt) – sozusagen schwer definierbar um diesen Wert herum mit was wir es denn zu tun haben. Der Blick auf die Karte zeigt, dass eben ein Großteil von Mitteleuropa (und somit auch wir) eben genau in diesem Bereich festhängen – wir hängen quasi zwischen den Stühlen bestehend aus dem Azorenhoch und seinen Ausläufern westlich und dem relativ schwachen Tiefdruckeinfluss östlich von uns. Normalerweise ist das nicht tragisch da bei unserer Position in Zentraleuropa eigentlich häufiger mal von West- und Nordwest Tiefdruckgebiete kommen die einen Austausch dieser Luftmasse ermöglichen, oder eben aus westlicher bis südwestlicher Richtung mal ein Tiefdruckgebiet hereinziehen könnte. Leider ist aber nirgendwo rundherum stärkerer Tiefdruckeinfluss erkennenbar, der diesen Schritt durchführen könnte. Ein Hoffnungsschimmer auf der Karte ist doch direkt das kleine Tiefdurckgebiet zwischen Großbritannien und Island denn hat dies doch immerhin 1000 hPa. Doch nein, auch dieses Tief wird es nicht schaffen gegen die 1015 hPa anzukommen, da es einfach nicht kräftig genug ist. Es wird sich die kommenden Tage langsam auflösen und eher auf der Stelle verweilen. Schwache Ausläufer des Tiefs können manchmal aber dennoch für eine leicht labile Wetterlage sorgen wie es das kleine Tief wohl am Dienstag / Mittwoch regional machen wird. Dabei bringt es aber nicht genug Schwung und Energie mit um verbreitet Niederschläge zu bringen und wird nur lokal Schauern und Gewitter ermöglichen – immerhin vielleicht auch in Teilen von NRW. Das Problem an der gesamten Wetterlage ist, dass auch der Gegenspieler des Azorenhochs, nämlich das Islandtief, eher schwach ausgeprägt ist und die Wahrscheinlichkeit für stärkere Tiefs aus West oder Nordwest als gering einzustufen ist. Zudem macht auch das Azorenhoch keine Anzeichen sich abzuschwächen oder weitere Ausläufer nach Europa zu schicken.

Somit werden wir weiterhin in dieser “gammeligen” Luftmasse hängenbleiben und eine Änderung ist erst einmal bei keinem der Wettermodelle zu finden. Hoffen kann man lediglich auf eventuelle schwache Tiefausläufer, da in der Luftmasse um 1015 hPa zumindest schwache Tiefdruckgebiete mit Fronten theoretisch möglich sind. Das diese dann flächendeckende Niederschläe auslösen ist sehr unwahrscheinlich und man muss sich wenn wohl tageweise mit der Möglichkeit einzelner Schauern und Gewitter begnügen.

 

 

Allgemeine Informationen und Statistiken zur Wetterlage:

 

Temperaturen: Der Juni 2018 unterschied sich noch deutlich vom aktuellen Monat denn es war nicht dauerhaft so warm und immer nur zwischendurch einzelne Tage waren zwischen 25-30°C warm. Zudem gab es auch immer mal Niederschläge durch hereinziehende Tiefausläufer. Bis 26.06. gab es dabei nur 7 Tage mit Temperaturen über 25°C die somit als Sommertage in die Statistik eingingen. Seit dem 27.06. folgten dann aber 12 Tage mit Temperaturen über 25°C, oftmals sogar fast nahe der 30°C. Erst am 10.07. konnte dann kurzzeitig eine kühlere Luftmasse einfließen und es wurde ein merklich kühleres Tmax von 18,7°C erreicht. Anschließend ging es aber rasch wieder in Richtung 25°C und seit dem 12.07. begannen wir nun also eine neue Periode mit Werten von 25-30°C als Tageshöchsttemperaturen. Eine deutlich kühlere Luftmasse ist nicht in erreichbarer Nähe und es scheinen einzelne hitzige Phasen mit etwas über 30°C deutlich wahrscheinlicher, als eine erneute kurze Abkühlung. Dabei war bereits der Juni +2°C zu warm im langjährigen Mittel und auch der Juli ist nach der Halbzeit nun bisher bereits +2,5°C zu warm – und ich hatte die langjährigen Mittel ja bereits an die vergangenen Jahre angepasst. Da nun erneut mit einer längeren Periode von Temperaturen zwischen 25-30°C zu rechnen ist, wird sich der diesjährige Monatsmittelwert sicher nochmals erhöhen.

 

Niederschläge: Nicht ohne Grund ist es aktuell sehr schwer sich zu erinnern, wann denn der letzte richtige Regen gefallen ist. Statistiken aber erlauben es dieses Rätsel einfach zu lüften. Der Gesamtniederschlag im Vormonat Juni täuschen mit 75,3 l/m² (111% des langjährigen Juni-Mittels) etwas darüber hinweg, dass wir nun aktuell mit erheblicher Trockenheit zu kämpfen haben. Wichtig ist es sich dabei die Niederschlagsverteilung anzusehen: Ganze 43,8 l/m² fielen nämlich alleine am 01.06.2018 und der letzte Tag vom Juni mit Niederschlag war der 16.06.2018 mit 7,4 l/m². Nachfolgend fiel bis Ende Juni kein Niederschlag mehr. Der Juli machte dann keine Anzeichen diese trockene Periode aufhalten zu wollen und man musste bis zum 10.07.2018 warten, bis es auch über Bergheim-Mitte mal wieder messbar regnete. Es fielen dabei aber nur 1,6 l/m² und dann noch einmal 2,1 l/m² am 11.07.2018. Besser als gar nichts denkt man, denn man musste nur einmal weniger gießen. Das Problem ist aber, dass davon allgemein im Boden nicht viel angekommen ist und die Tiere oder Pflanzen davon so gut wie gar nicht profitieren können. Ein Großteil dieser eher kleinen Wassermenge wird nämlich kurz nachdem sie fiel wieder bereits in die Luft verdampft sein. Seit dem 12.07.2018 beginnt das Ganze nun wieder von vorne. Sonnige Tage, kein Niederschlag und die Trockenheit verschärft sich weiter. Ein nachhaltiges Ende dieser ist nicht in Sicht, da wenn überhaupt ja nur vereinzelte Tage mal Schauern oder Gwitter gerechnet werden die höchstens kurzzeitig mal lokal eine Linderung bringen können. Nachfolgend zwei Grafiken des Helmholtz Zentrum für Umweltforschung (UFZ) welche die aktuelle Dürresituation in Deutschland vom 14.07.2018 zeigt. Man sieht das man die Dürre in unserer Region als “schwerebis extreme Dürre” klassifiziert und man sieht auch, dass andere Teile von Deutschland noch deutlich massiver von Trockenheit betroffen sind.

 

              

          Oberboden bis 25 cm Tiefe              Quelle der Karten:  Helmholtz Zentrum für Umweltforschung (UFZ)                       Oberboden bis 1,80 m Tiefe

 

 

Probleme durch die Trockenheit: Die Probleme mit der Trockenheit sind natürlich sehr vielseitig, denn Wasser ist nun einmal das Element das fast alle Lebewesen zum Überleben benötigen. Tiere in der Natur haben es nicht leicht noch zugängliche Wasserquellen zu finden (wenn sie nicht auch mit Flüssen auskommen können) und auch kleinere Bäume und Pflanzen zeigen bereits Anzeichen von Schäden durch die anhaltende Trockenheit. Teilweise vertrocknen sie von unten nach oben und auch die Blätter rollen sich zusammen. Das bemerkt natürlich auch der Hobbygärtner mit seinem Rasen oder seinen anderen Pflanzen. Der Inhalt des Wassertankes schrumpft von Tag zu Tag und möglicherweise muss dann bald das Leitungswasser verwendet werden um die Pflanzen noch gießen zu können. Ein weitaus größeres Problem ist die Trockenheit für die Bauern da diese zu einer extrem ungünstigen Zeit nun auftritt. Besonders betroffen ist der in Deutschland sehr wichtige Weizen, der teilweise vielerorts nur halbreif geerntet werden konnte da er drohte komplett auszutrocknen. Ein weiteres erhebliches Problem ist die Trockenheit vom Unterholz sowie von Rasenflächen aber auch Feldern. Hier kann sich teils Luft anstauen und sich erhitzen. Aber auch menschliche Einflüsse wie Zigaretten und Glasflaschen können blitzartig Brände auslösen die sich rasant ausbreiten können. Auch findet man landesweit einige Flüsse die bereits sehr wenig Wasser führen und wo teils schon die Binnenschifffahrt eingestellt werden musste.

 

Dürren in Deutschland: Dürren in Deutschland sind definitiv nichts neues, doch man kann in den vergangenen Jahrzehnten doch deutlich Änderungen im Klima erkennen. So sind besonders häufig der Osten von Deutschlands und Teile der Mitte von Dürreperioden betroffen. Allgemein lässt sich auch feststellen (was schon unzählige Male in Klimaberichten als weitere Folge angekündigt war) das die Niederschläge insgesamt deutschlandweit im Sommer eher abnehmen (in den Statistiken kaum zu erkennen wenn man das Glück hatte kräftige Schauern abzubekommen) – wenn sie zunehmen dann eher in den Wintermonaten. Auch ist es sehr einfach zu erkennen, dass die Sommer allgemein früher beginnen und die Tendenz haben wärmer zu werden – das zeigen sogar lokale Statistiken auf eindrückliche Weise. Da die Wetterlage aktuell sehr eingefahren ist muss man wohl davon ausgehen, dass es wieder Rekordmittelwerte bezüglich der durchschnittlichen Monatstemperatur geben wird. Aber auch bezüglich des Niederschlages könnte es ein deutliches Rekordminimum geben. Die bisher geringste Niederschlagsmenge an meiner Station (und auch so zumindest seit 1996 vgl Jülich) waren 23,1 l/m² im Juli 2013 und aktuell sind wir am 16.07.2018 bei lediglich 3,7 l/m². Bis wahrscheinlich 20.07.2018 besteht dabei nahezu keine Chance auf Schauern oder Gewitter, danach bleibt noch gut 1/3 des Monats um vielleicht mit einzelnen Tagen etwas Niederschlag zu bringen. 

Dürren in Deutschland sind also nichts was es noch nie gegeben hat – doch wir werden uns wohl mehr und mehr im Sommer auch mit diesen anfreunden müssen.

 

 

Autor:  Frank Rinas

 

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