18.10.2019: Tornado und Sturmschäden durch Kaltfront

 

Tornado und Sturmschäden durch Kaltfront18.10.2019:

Am Freitag dem 18.10.2019 kam es unter anderem auch in unserer Region durch eine durchziehende Kaltfront zu Sturmschäden, zum Glück wohl nur an Sachgegenständen. Im nachfolgenden kleinen Artikel möchte ich etwas auf die Ausgangslage der Wetterlage eingehen sowie auch die Folgen, die dadurch letztendlich entstanden waren. Hauptthema ist hierbei der Tornado, der von Bergheim bis Büsdorf für Forst- und auch teils erheblichen Sachschaden sorgte.

 

Wetterlage und atmosphärische Werte:

Am 18.10.2019 wurde unser Wetter durch ein Tiefdruckgebiet beeinflusst, dessen Kernbereich sich grob über Irland und Schottland befand. Dessen Warmfront hatte uns bereits am Mittwoch erreicht, sodass nun aus Westen lediglich die Kaltfront auf dem Programm stand. Dieses sollte uns nach den Simulationen der Wettermodelle zwischen dem Vormittag und frühen Nachmittag erreichen, was dann ja auch sehr gut passte. Unsere Region erreichte diese gegen 12 Uhr. Werfen wir nun einen groben Blick auf die atmosphärischen Eigenschaften die vor, mit und nach der Kaltfront dann vorlagen. Zunächst betrachten wir die Temperaturen in den verschiedenen Höhenschichten:  Auf gut 2 Meter hatten wir zur Zeit der Kaltfrontpassage eine Temperatur von ungefähr 16°C und auf circa 1.500m waren es in der Nacht noch +7°C, hinter der Kaltfront am Nachmittag dann nur noch +2°C. Noch etwas höher auf 5.500 m waren es vor der Kaltfrontpassage noch -18°C, danach kühlte sich dort die Luft auf -25°C ab. Man sieht hier, dass das Temperaturgefälle zum Zeitpunkt der Kaltfront mit +14°C in Bodennähe sowie bei Ankunft der Kaltfront mit noch ca. -19°C auf 5.500 m schon erwähnenswert war. Dies ist förderlich für stärkere schauerartige Niederschläge und erhöht auch das Risiko für das Herabmischen von Höhenwinden. Zudem wurde durch dieses Temperaturgefälle die Luft leicht labilisiert, sodass wir einen KO-Index von 0 hatten. Dieser zeigt eine leicht vorhandene Labilität, die aber in Verbindung mit Wetterfronten für einzelne Gewitter und kräftige Schauern ausreichen kann. Die Energie in der Luft hielt sich mal einfach dargestellt mit dem CAPE mit 10-50 J/kg in Grenzen, aber auch hier sorgte natürlich schon die Kaltfront an sich für Energie und flächendeckende Hebung. Bezüglich der möglichen Herabmischung des Höhewindes waren auch die Windgeschwindigkeiten der höheren Luftschicht zu beobachten. Zum Beispiel für die Höhe auf 1.500 m, wo schnell mal Böen bis zum Boden gelangen können. Dort wurden mit der Kaltfront teilweise Geschwindigkeiten von teils 89-102 km/h von den Wettermodellen simuliert, also schwere Sturmböen. Schon aus diesen Werten sind die möglichen Begleiterscheinungen mit teils schauerartigem Niederschlag, möglichen Sturmereignissen sowie vereinzelten möglichen Gewittern. Interessant wären noch die Scherungswerte in den verschiedenen Luftschichten bezüglich möglicher Windscherung (Windrichtungen und Abweichungen in den verschiedenen Höhen) gewesen, die eben auch das Tornadopotential etwas andeuten und bezogen auf die Struktur der Kaltfront vorab Informationen geben können. Leider sind diese nun nachträglich nicht mehr einsehbar, daher kann ich diese nicht berücksichtigen. Es ist aber davon auszugehen, dass diese Werte vorab der Kaltfront und mit der Passage dieser zumindest etwas erhöht waren.

 

 

Kaltfront zieht aus Westen auf und die Kaltfrontpassage – Radaranalyse

Schon am Morgen zeigte sich die Kaltfront bereits auffällig auf dem Radar, aber noch westlich bis südwestlich von Deutschland. Erkennbar war diese hier bereits durch die entlang der Kaltfront ausgelösten teils kräftigen Niederschläge, die im Übergangsbereich von warmer und kühlerer Luft eine Art Niederschlagslinie bildeten mit teils kräftigen schauerartigen Regenfällen. Diese näherten sich dann zunehmend auch NRW an und erreichten die westliche Landesgrenze dann gegen 11 Uhr. Dabei ließ sich schon vermuten, dass wie es oftmals so ist, zu Beginn kurzzeitig mit kräftigem Regen und lokal Starkregen zu rechnen sein würde, der dann aber nach ein paar Minuten in mäßigen Regen übergehen würde. Kurz und kräftig würde es also werden. Die linienartige Anordnung der Niederschläge rief auch sofort mögliche Sturmereignisse auf das Programm, was bei linienartigen und somit gut organisierten Systemen eigentlich grundsätzlich ein lokales Thema ist. Die linienartig angeordneten Starkniederschläge waren dabei mit einer Geschwindigkeit von 70-80 km/h in Richtung Nordosten unterwegs.

 

Für unsere Region wurde es dann so gegen 11:30 Uhr langsam interessant, denn der Nordwesten vom Rhein-Erft-Kreis kam als erstes in den Einfluss der Niederschläge entlang der Kaltfront. Die Zuggeschwindigkeit an sich variierte teils zwischen 60-90 km/h je nach Segment der Linie und es waren auch Starkregenabschnitte auf dem Radar zu erkennen. Die linienartigen Segmente boten dabei die Chance für einzelne Bow-Echos oder eben Downbursts mit entsprechend markanten Fallböen. Die abschnittsweisen Zuggeschwindigkeiten unterstrichen nochmals die am Vortag bereits genannten möglichen schweren Sturmböen, die dort seitens des DWD mit bis zu 102 km/h beziffert wurden, selbstverständlich als mögliche lokale Ereignisse.

 

Radaraufnahmen von 11:40 Uhr zeigen die Schauerlinie (die bislang in unserem Bereich keine gewittrige Aktivität zeigte) knapp westlich einer Linie Bedburg – Elsdorf – Buir mit einzelnen segmentierten Starkregenbereichen. Auch auf dem Radar bei Kachelmannwetter.com gut zu erkennen war, dass dieser Bereich der Linie sehr dynamisch war. Neben den zuvor genannten Auffälligkeiten wurde dort nämlich in dem Linienbereich zwischen Bedburg und Elsdorf Rotation festgestellt. Dies sprach dafür, dass diese entwickelte Eigendynamik einen sehr aktiven und stärkeren Bereich innerhalb der Schauerlinie kennzeichnete. Die Zuggeschwindigkeit für diesen Bereich wurde auf gut 80 km/h bemessen und die zusätzlich gemessene Rotation offerierte hier bereits die potentielle Möglichkeit, dass dieser Bereich günstigere Bedingungen für eine mögliche Tornadobildung bereitstellte. Der schauerartige Niederschlag erreichte dann Elsdorf und Bedburg grob gegen 11:45 Uhr mit eingelagertem Starkregen. Besonders kurz vor und in Verbindung mit dem teils sehr kräftigen Regen wurden dann die stärksten Windgeschwindigkeiten erreicht, was durchaus typisch ist. Dabei verstärkte sich dieses Liniensegment in unserem Bereich tendenziell und es wurde immer mal wieder Rotation festgestellt. Starkregen fiel dabei wohl zunächst besonders in einem Bereich zwischen Bedburg und Grevenbroich sowie von Elsdorf etwas weiter nach Süden. Es ist zu vermuten, dass bereits in diesen Bereichen teils Sturmböen oder auch ganz vereinzelt schwere Sturmböen auftraten, was natürlich aufgrund des sehr dünnen Messnetzes in unserer Region nicht genau bestätigt werden kann. Bergheim-Stadt sowie eine Linie nach Süden bis Kerpen, wurden schon wenige Minuten später gegen 11:50 Uhr von der Niederschlagslinie erfasst. Hier war auf dem Radar eine deutliche Intensivierung über Bergheim sowie der Region östlich von Bergheim, mit zum Beispiel Niederaußem, Rommerskirchen usw., zu erkennen. In diesem Bereich könnte es in Verbindung mit der Intensivierung weitere markante Fallböen gegeben haben und auch wurde weiterhin wahrscheinliche Rotation im nördlichen Bereich dieser Region in einer Zelle der Niederschlagslinie festgestellt. Die Zuggeschwindigkeit dieses Liniensegments hatte sich dabei etwas reduziert und lag noch bei um 70 km/h wohingegen sich der Niederschlag intensivierte. Bereits gegen 12 Uhr hatte der intensive schauerartige Regen schon Bergheim und auch Kerpen nach Osten hin passiert und befand sich vor Frechen sowie auch dem Westen von Köln, wo er wenige Minuten später eintraf. Anschließend schwächte sich das Liniensegment welches unsere Region beeinflusst hatte auf seinem Weg nach Osten hin aber zunehmend ab. Gegen 12:30 Uhr ließ der Niederschlag dann bereits wieder nach und mit noch teils böigem Wind strömte zunehmend etwas kühlere Luft ein.

Radar-Tools auf Kachelmannwetter.com:  Regenradar HD+ ; Stormtracking HD ; Doppler-Radar (Rotation) 

 

 

Informationen zum Tornado: Bergheim – Niederaußem – Büsdorf

Nach ersten Erkenntnissen und dem Schadensausmaß handelte es sich nach Expertenmeinung (WTINFO Tornado Research Project) wahrscheinlich um einen Tornado der Stufe F1 auf der Fujita-Skala, wodurch von möglichen Spitzengeschwindigkeiten zwischen 118-180 km/h auszugehen ist. Das diese bereits zu erheblichen Schäden führen können, ist bei der Beschreibung der allgemein möglichen Schadensereignisse zu dieser Kategorie erkennbar: „Wellblech oder Dachziegel werden abgehoben und Wohnmobile umgeworfen, fahrende PKW werden verschoben.“ (Quelle: Wikipedia.de). Dies sind natürlich nur beispielhafte Ereignisse. Auf der Beaufort-Skala sind diese Windgeschwindigkeiten bereits in die Kategorie Windstärke 12 einzuordnen und auch dort mit möglichen „schweren Verwüstungen“ betitelt. Die zur Einschätzung der Tornadostärke gerne hinzugenommene Fujita-Skala beginnt dabei bei F0 (63-117 km/h) und geht bis F12 (>1.188 km/h). Die stärksten Tornados die bisher auf der Erde beobachtet wurden hatten die Stärke F5 (419-512 km/h). Wenn man dabei mal sieht was ein solcher vermeintlicher F1-Tornado schön beschädigen kann, will man sich die noch stärkeren Tornados gar nicht vorstellen. Fotos von solchen Ereignissen kennt man besonders durch die internationalen Medien ohne Frage.

Die Einstufung des Tornados seitens WTINFO Tornado Research Project erfolgte mittels satellitengestützer Bodenkartierung, Vorortbegutachtung mit Bruch- und Verfrachtungsschäden sowie Zeugenaussagen, wodurch ein Tornado eindeutig belegt werden konnte. Die Schneisenlänge wo der Tornado aktiv war wurde auf 7,3 km festgesetzt und die maximale Wirkungsbreite lag wohl bei 270 Metern. Die Bildung des Tornados fand wohl so gegen 11:51 Uhr im Westen von NRW in der Nähe des Erftverbands statt. Erste Schäden gab es dann in der Giersbergstraße wo der Tornado eine Gartenmauer umwarf und beschädigte unweit auch Teile eines Daches. Weiter in nordöstliche Richtung ziehend brachte er im Grünen Weg einen Baum zum Kippen welcher dann an ein Mehrfamilienhaus gedrückt wurde. Dieser Forstschaden mit nachfolgendem Sachschaden alleine hätte allerdings auch als normaler Sturmschaden durch Fallböen entstehen können, da der Baum genau mit der Windrichtung an das Haus kippte. Von hier zog der Tornado weiter in Richtung Niederaußem und riss dort im Neubaugebiet für Migranten mehrere Dachfriste herunter. Auf dem REWE-Parkplatz wurde dann auch noch ein Imbisswagen versetzt. Ebenfalls wurden danach noch zwei weitere Wohngebäude beschädigt als der Tornado bei einem Gebäude die halbe Dachfläche anhob und bei dem anderen Gebäude eine Dachrinne abriss. Von hier zog der Tornado dann in Richtung Büsdorf, wo er wohl am intensivsten war. Hier entfernte der Tornado in einem Neubaugebiet Ziegel von einem Dach und verfrachtete diese auf die umliegenden Flächen, ließ manche auch in ein Nachbargebäude einschlagen. Er verfrachtete dazu noch eine Holzhütte und beschädigte weitere Gebäude in Büsdorf bis er sich wohl nordöstlich von Büsdorf und westlich von Fliesteden so gegen 11:57 Uhr wieder auflöste.

Kompletter Bericht vom WTINFO Tornado Research Project:  Hier geht es zum Bericht auf Facebook ; Vermessene Tornadoschneise

 

 

Sonstige Sturmschäden in unserer Region

Die Kaltfront samt lokal sehr kräftigem Regen und markanten Fallböen war dabei in unserer Region als recht kräftig einzustufen. Unterstützend war hier sicher die zuvor erwähnte Intensivierung der unsere Region betreffenden Liniensegmente der Niederschläge vorderseitig der Kaltfront. An mehreren Wetterstationen in unserer Region wurden meist teils Böen von 80-100 km/h gemessen, in Pulheim zum Beispiel sogar bis 101 km/h an einer Station. Somit war es keine Überraschung, dass es vermehrt zu weiteren Sachschaden sowie Forstschäden kam. So wurde zum Beispiel das Wellblechdach der Zuckerfabrik in Elsdorf beschädigt und es drohten Teile herabzustürzen (Quelle: westfalen-blatt). Weitere bekannte Forstschäden gab es zum Beispiel in Erftstadt-Gymnich wo ein großer Ast die Brüggener Straße blockierte sowie auch in Neu-Wiedenfeld im Sanddornweg, wo zwei Bäume der Kraft des kurzen aber kräftigen Sturmes nicht standhalten konnten.

 

 

Quellen der Daten:   Kölner Stadt-Anzeiger / Kölner Stadt-Anzeiger / Westfalen-Blatt / WetterOnline / WDR

Fotos von Sturmschäden:   Freiwillige Feuerwehr – LZ Niederaußem / Freiwillige Feuerwehr – LZ Bergheim

 

Autor des Artikels:  Frank Rinas

 

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