22./23.06.2018 – Helle leuchtende Nachtwolken

Nach der letzten Beobachtung von leuchtenden Nachtwolken am 13.06.2018 dauerte es wieder ein wenig, bis es wieder so weit war und auch über uns wieder NLCs auftauchten. Nach zwei Versuchen zwischendurch ohne Erfolg, war es dann am späten Abend des 22.06.2018 endlich wieder Zeit. Dabei hatte das Mesosphären-Radar OSWIN von morgens ungefähr 5 Uhr bis in den Abend gegen 21 Uhr durchweg teils kräftige Signale gezeigt, sodass es so gut wie sicher war das leuchtende Nachtwolken in der Nacht auftauchen müssten.Es wurde eine unvergessliche Nacht mit den wundervollsten leuchtenden Nachtwolken, die ich je gesehen habe.

 

Schwache leuchtende Nachtwolken am späten Abend des 22.06.2018

Somit war ich am Freitagabend gegen 22:50 Uhr wieder an meinem Beobachtungspunkt angekommen. Im Nordwesten bis in den Osten waren immernoch die dichteren Wolkenfelder anwesend die sich nur zögerlich auflösten – aber immerhin lösten sie sich langsam auf.  Im NLC-Forum von Meteoros gingen schon recht früh am Abend erste Meldungen aus Süddeutschland ein, dass man dort auf den Webcams schöne und teils auch hellere NLCs sehen konnte. Tatsächlich konnte ich dann gegen 22:57 Uhr in O-NO ein schwaches eher kleines Display über den Wolken erkennen, das aber visuell nicht zu erkennen war und nur die Kamera half, es überhaupt entdecken zu können. Keine 10 Minuten später zogen dann Wolken über den Himmelsabschnitt und die NLCs, die bereits wieder schwächer geworden waren, verschwanden hinter den Wolken. Danach dauerte es nicht lange, bis ich glaube ich in W-N Richtung schwache Konturen (Aufhellungen) sah, die ich aber nicht eindeutlig als NLCs bestimmen konnte. Spätestens um 23:29 Uhr tauchten dann in NW-Richtung etwas rechts neben Venus einzelne schwache Displays auf. Diese hoben sich lediglich eher schwach vom Hintergrund ab und waren visuell nicht zu erkennen. Der Himmel war aber allgemein in Horizontnähe noch sehr diesig. Immerhin tauchten aber immer mehr kleine NLCs zwischen W-N auf und gegen 23:42 Uhr waren sogar kleine rillenartige Strukturen auf den Fotos zu sehen. Bereits gegen 23:50 Uhr schwächten sich die eh schwachen NLCs ab, sodass diese nicht einmal mehr auf dem Radar zu erkennen waren. Etwas verwundert das nicht mehr zu sehen war brach ich die Beobachtung ab und trat meinen dreiminütigen Fußweg nach Hause an.

  • Beobachtungsort:         Bergheim (50126) ; 50°57’53” N / 6°38’22” O ; Höhe ~ 77 m
  • Zeitraum mit NLCs:      22:57 – 23:50 Uhr MESZ
  • Himmelsrichtung:         ca. 301° (NW) bis 56° (NO), nur einzelne NLCs (also nicht durchgehend)
  • Höhe:                              maximal ~ 9° ; etwas höher als Xi Cnc (77 Cnc)
  • Helligkeit:                       f  (visuell nicht sichtbar, nur fotografisch)
  • Formen:                          Nahezu keine Strukturen, lediglich kurzzeitig Typ IIb
  • Wetter:                            Hohe Luftfeuchtigkeit und daher recht diesig, ca. 11,5°C

 

 

 

Atemberaubende leuchtende Nachtwolken in der Nacht auf den 23.06.2018

Also ich muss ja schon gestehen das ich nach den abendlichen NLCs etwas enttäuscht und verwirrt war, warum bei diesen andauernden und teils starken Signalen bei OSWIN in unserer Region einfach nichts vernünftiges zu sehen war. Vorallem hatten mich die sehr hellen und schönen Displays aus Süddeutschland gewundert, wohingegen bei uns hier nahezu nichts zu sehen war. Ich muss aber gestehen, dass ich mich nicht soooo gut mit den Radaren und den NLCs auskenne, von daher nehme ich es immer so wie es eben kommt – in meinem sichtbaren Himmelsbereich. Nachdem ich kurz nach Mitternacht wieder zu Hause war, war für mich bereits klar das ich in der Nacht ab 3 Uhr wieder mein Glück versuchen werde. Um zu schlafen war ich irgendwie durch die frische Luft zu wach, somit recherchierte ich noch etwas am PC und legte mich danach auf’s Bett und hörte etwas Musik. So kann man auch gut Zeit herumbekommen. Hätte ich aus meinem Fenster einen Blick in Richtung Norden werfen können, hätte ich aber nicht solange Zeit vertrödeln müssen – wie ich später herausfand.

Nun war es also 3 Uhr was so die Uhrzeit war, die ich mir für einen weiteren Versuch herausgesucht hatte. Doch recht müde ging es wieder an die frische Luft, die natürlich sehr gut half nicht noch müder zu werden. Während ich in Richtung Feld unterwegs war, konnte ich zwischen den Häusern in Richtung N-O deutliche Aufhellungen erkennen. Erst dachte ich an das Licht der Fabriken welches ein paar Wolken beleuchtet, doch dieses Licht ist eigentlich immer eher gelblich. Dieses Licht war weißlich und somit ging ich sehr gespannt weiter. Immer wieder zwischen den Häusern zeigte sich ein aufgehellter Himmel, Details konnte ich aber keine erkennen. Der Fußweg von 5 Minuten zum anderen Ende des Feldes kam mir wie einie Ewigkeit vor, bis ich dann endlich einen freien Blick nach W-N-O hatte. Dann hatte es mir nicht nur die Sprache, sondern auch wirklich alle Gedanken verschlagen. Ein sehr ausgedehntes und zudem noch sehr helles Display leuchtender Nachtwolken leuchtete mir entgegen. Als ich wieder anfing zu denken und gegen 3:39 Uhr die ersten Fotos gemacht hatte, dachte ich zurück an den 19.07.2016, wo ich mein bisher hellstes Display gesehen hatte. Gegen das wo ich aktuell drauf starrte, konnte das damalige aber wirklich einpacken und es war nicht vergleichbar auch wenn später gewisse Parallelen zu sehen waren. Das heutige NLC-Display war visuell extrem auffällig und erhellte locker den gesamten Himmel von NW-ONO auf einer Höhe bis zu 22° über dem Horizont. Einfach nur atemberaubend! Hier mal ein zusammengebautes kleines Panoramabild. Ich hab leider kein richtiges Panorama gemacht und dieses hier zusammengebaut, sodass man wenigstens einen Eindruck von der Ausdehnung des Displays hat:

Die Helligkeit war einfach unglaublich und dieser weißlich bis bläuliche Schimmer dieser einzigartigen Wolken war traumhaft schön. Hinzu kamen noch wundervolle teils sehr detailierte Strukturen, welche dank der Helligkeit dieses Displays einfach und sogar mit dem bloßen Auge erkennbar waren. Noch schöner präsentierte sich das Ganze natürlich auf den Fotos, wo man auch näher heranzoomen konnte. Wellen, Linien, Verwirbelungen… die Vielzahl an Variationen und Details machte es wirklich schwer sich zu entscheiden, wo man denn als nächstes fotografieren sollte. Ich entschiede mich für eine Mischung aus allem: Also machte ich mit dem Weitwinkel immer mal wieder Aufnahmen des gesamten Displays, wechselte zwischendurch immer mal das Objektiv um auch feinere Details zu erkunden und – am allerwichtigsten – nahm ich mir auch öfters einfach Zeit, dieses wunderbare Erlebnis zu genießen.

Während das Display anfangs noch relativ kompakt und überblickbar schien, gewann es dann doch rasch an Höhe und dehnte sich zudem noch mehr aus. Gegen 4 Uhr hatte es sich noch etwas weiter von NW nach W ausgedehnt und auch nach Osten hin hatte es sich ausgedehnt, allerdings nicht so viel. Was aber definitiv nicht zu übersehen war, war die Ausdehnung in der Höhe. Von den vorherigen maximal 22° hatte es sich nun in gu 20 Minuten auf bis zu 60° vorgearbeitet. Das war schon deutlich schwerer alles auf die Fotos zu bekommen. Diese Ausdehnung hielt weiter an und war ähnlich schnell, wie ich es im vorher genannten Beispiel 2016 auch beobachtet hatte. Nur 15 Minuten später, um 4:13 Uhr, warne bereits NLCs zu sehen die den Zenit über mir passiert hatten und in Richtung Süden sich enorm ausgedehnt hatten. In S-SW-W konnte ich noch schwache NCLs bis auf 23° Höhe über dem Horizont fotografieren, also wirklich eine enorme Ausdehnung. Um 4:16 Uhr hatte ich dann einen kleinen Schockmoment, als aus einem etwas entfernten kleinen Waldgebiet heraus laute und wirklich furchterregende “Brüller” eines Tieres zu hören waren. Der erste “Brüller” war noch weiter weg, der zweite hörte sich an als käme das Tier rasch näher – und es war wohl aufgeregt oder wütend. Ich vermute das es ein Wildschwein gewesen sein könnte, dass durch ein Auto aufgeschreckt worden war. Da mir das aber als Fußgänger alleine dort im Dunkeln etwas zu unheimlich wurde, ging ich wieder an den Feldrand vom gestrigen Abend mit den Häusern direkt in meinem Rücken. Der Schock dieser plötzlichen Laute saß aber in den Knochen denn ich hatte den Moment einfach nur die Atmosphäre genossen: Dämmerungslicht, prachtvolle NLCs und sogar singende Vögel um mich herum.  Mein Puls muss sich von Ruhepuls auf Stress ohne Ende in Millisekunden geändert haben.

Aber zurück zu den wundervollen leuchtenden Nachtwolken die ich dann noch weiterhin beobachtete. Sie wurden aber natürlich schwächer und schwächer, aber immer wieder tauchten neue sichtbare Strukturen auf. In südlicher Richtung hatten sie sich weiter in Richtung Horizont ausgedehnt und waren mit einzelnen Ausläufern bis auf 17° über dem Horizont erkennbar. Das bestimmen der Höhe wurde natürlich schwieriger denn durch die Dämmerung verschwanden immer mehr Sterne, die bei der Bestimmung der Höhe wichtig waren. Um 4:35 Uhr waren die NLCs dann nur noch schwach visuell sichtbar und ein letztes Foto gelant mir um 4:40 Uhr, wo die Sonne nur noch 5° unter dem Horizont war. Aberglücklich aber immer noch mit shr hohem Puls ging ich dann wieder nach Hause, wo dann natürlich sofort der Schlaf folgte. Einfach eine atemberaubende NLC-Nacht trotz Schreckmoment!

 

  • Beobachtungsort:         Bergheim (50126) ; 50°57’53” N / 6°38’22” O ; Höhe ~ 77 m
  • Zeitraum mit NLCs:      3:39 – 4:40 Uhr MESZ ; Beobachtungsbeginn, unbekannt seit wann NLCs sichtbar waren
  • Himmelsrichtung:        ca. 278° (W) bis 99° (O), einzelne Ausläufer bis 194° (SSW)
  • Höhe:                              bis in den Zenit ; danach noch weitere Ausdehnung bis 17° über dem Horizont (SSW-W)
  • Helligkeit:                       4-5  (sehr helles Display, das garantiert auch Spiegelungen erzeugt hätte)
  • Formen:                          Sehr viele verschiedene Typen, vermutlich Typ I bis Typ IV vorhanden
  • Wetter:                            Einzelne Wolkenfelder W–>O, Fabrikwolken horizontnah, ca. 9°C

 

 

 

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