Interview mit dem Löschzug Bergheim der Freiwilligen Feuerwehr Bergheim

 

Interview mit dem Löschzug Bergheim der Freiwilligen Feuerwehr Bergheim

Mir wurde netterweise die Möglichkeit gegeben, ein Interview mit dem Löschzug der Freiwilligen Feuerwehr Bergheim führen zu dürfen. Diese Möglichkeit nutzte ich, um ein paar allgemeine Fragen zur Freiwlligen Feuerwehr an sich zu stellen, aber natürlich auch rund um das Thema Wetter und Feuerwehr in unserer Region. Mir hat das Interview noch einmal deutlich gemacht, wie dankbar man den freiwilligen Einsatzkräften dort wirklich sein muss, die immer mit Herz bei der Arbeit sind wenn Andere in Not sind. Danke! Ein besonderes Danke dabei nun auch bereits hier schon einmal an Frank Ruland, der sich mit meinen Fragen sowie deren Beantwortung auseinandersetzte und diese wirklich ausführlichst beantwortete.

 

 

Themengebiet – Wetter allgemein

 

Gibt es spezielle Vorbereitungen für markante Unwetterlagen bezüglich des Personals oder der Einsatzmittel – z.B. andere Bereitschaft?

Die Feuerwehren in Deutschland stehen 24 h am Tag und 7 Tage die Woche einsatzbereit zur Verfügung. Wenn der Deutsche Wetterdienst Unwetterlagen mit zeitlichem Vorlauf ankündigt, dann können je nach Lage abgestufte, vorbereitende Maßnahmen erfolgen. Die erste Stufe ist die reine Information der Feuerwehreinheiten über eine drohende Unwetterlage. Die zweite Stufe ist dann die Alarmierung der Feuerwehreinheiten zur Besetzung der Gerätehäuser, um im Alarmfall zeitnah ausrücken zu können. Sollte ein großer Einsatz viele weitere Kräfte benötigen, können auf Ebene der Bezirksregierungen sogenannte Bereitschaften mit jeweils ca. 120 Mannschaften und Gerät alarmiert werden. Dabei wird darauf geachtet, dass die Bereitschaften aus Landesteilen alarmiert werden, die selber nicht von dem Ereignis betroffen sind.

 

Gibt es ein bestimmtes Training für Wetterereignisse, wie zum Beispiel Überflutungen durch Starkregen / Blitzeinschlag / Sturm oder ähnliches?

Im laufenden Ausbildungs- und Übungsdienst werden viele Einsatzlagen immer wieder geübt. Wichtig für die Feuerwehr ist das Erkennen von Gefahren, deren Einschätzung und die richtige Reaktion auf diese. Grundsätzlich wird von uns der Eigenschutz beachtet, wenn der Helfer verletzt würde und nicht mehr helfen kann, dann ist letztendlich niemanden geholfen. Wenn z.B. in Folge von Sturmböen immer noch Bäume umkippen, so werden wir nur dann im Sturm tätig, wenn Menschen unmittelbar in Lebensgefahr sind. Der Übrung zur EisrettungLärm den ein Sturm verursacht übertönt umstürzende Bäume und die Gefahr für die Einsatzkräfte ist in diesem Fall einfach zu groß bzw. nicht kalkulierbar. Wir hatten vor einigen Jahren einen solchen Einsatz, bei dem ein 20 m hoher Baum auf ein geparktes Auto gefallen ist und zwei Personen im Fahrzeug eingeschlossen waren. Schon auf der Anfahrt zur Einsatzstelle fielen uns weitere große Bäume vor unsere Fahrzeuge und an der Einsatzstelle mussten wir dann feststellen, dass es sich um einen bewaldeten Parkplatz handelte. Die Gefahr das weitere Bäume umstürzen können war allen bewusst und trotzdem muss die Rettung auch unter solchen Bedingungen überlegt, schnell, zügig und sicher erfolgen. Am Ende ist alles gut gelaufen, die Personen wurden gerettet und keine Einsatzkraft verletzt aber die Gefahr war in diesem Einsatz für alle Beteiligten sehr real. Der Drang sofort helfen zu wollen ist groß, wichtiger ist aber die versteckten Gefahren zu kennen und erkennen z.B. Steckdosen und sonstige Elektrik in überfluteten Gebäuden und Räumen oder offene Sielschächte auf überfluteten Straßen. Das Foto auf der rechten Seite wurde bei einer Übung zur Eisrettung gemacht.

 

Wie oft kommt es zu Einsätzen mit der Ursache Wetter und was sind die häufigsten Einsatzgründe?

Die Zahl wetterbedingter Einsätze variiert von Jahr zu Jahr. Unter den wetterbedingten Alarmierungen sind bei uns Sturmschäden und Starkregenereignisse die häufigsten Einsatzgründe. Umgestürzte Bäume, beschädigte oder abgedeckte Dächer und vollgelaufene Keller sind hier die mit Abstand häufigsten Gründe für einen Feuerwehreinsatz. Der Einsatzleiter vor Ort entscheidet ob die Feuerwehr tätig werden muss oder nicht. Wenn der Keller nur wenige cm unter Wasser steht ist dies in der Regel kein Einsatz für die Feuerwehr, sondern vom Eigentümer selber zu beseitigen. Das gleiche gilt für Bäume die auf einem Privatgrundstück umgestürzt sind und von denen keine Gefahr ausgeht. Die Feuerwehr wird immer dann tätig, wenn die Gefahr weiterer Schäden insbesondere Lebensgefahr für Menschen und Tiere besteht. Wenn die Gefahr beseitigt wurde, dann ist der Einsatz der Feuerwehr in der Regel beendet. Als letztes wird die Einsatzstelle dem Eigentümer oder der Polizei übergeben. Selten sind für uns drohende Gebäudeeinstürze in Folge von Schneelasten oder Regenwasser in Folge verstopfter Abläufe. Das Wetter greift natürlich auch in den Straßenverkehr ein und führt zu Unfällen in Folge vereister oder überfluteter Straßen. Dichter Nebel hat 1985 auf der A4 bei Kerpen zu einer Massenkarambolage mit über zweihundert Fahrzeugen geführt. Anfang der 80er Jahre führte Starkregen zu einem Erdrutsch der die Bahnlinie Aachen Köln verschüttete und Ursache für ein schweres Eisenbahnunglück war. Blitzeinschläge die einen Feuerwehreinsatz zur Folge haben sind in der Häufigkeit eher seltene Ereignisse. Der sehr trockene Sommer 2018 führte in diesem Jahr vermehrt zu Vegetationsbränden bei denen sich die entstandenen Schäden aber im überschaubaren Rahmen hielten.

 

Welche sind die letzten sehr markanten Unwetterlagen an die Sie sich erinnern können?

Unsere alten Kollegen erzählten davon, dass in den 70er Jahren die Einheiten der Feuerwehr Bergheim einmal nach starken und langanhaltenden Schneefällen vorsorglich die Hydranten in ihren Ausrückebereichen freigeschaufelt haben, die nicht an Privatgrundstücken lagen. Von einem Regenereignis Anfang der 70er Jahre gibt es aus dem Ortsteil Quadrath-Ichendorf Bilder, bei denen die Köln-Aachener Straße ca. 40 cm hoch unter Wasser steht. Heftige Stürme die Einsätze zur Folge haben kommen immer wieder vor, wie z.B. der Sturm Kyrill im Jahr 2007 oder Orkan Wiebke im Jahr 1990. Bedingt durch Schneeschmelze und Starkregen im Süden Deutschlands und dem folgenden Hochwasser waren alle Einheiten der Feuerwehr Bergheim Weihnachten 1993 beim Jahrhunderthochwasser in der Domstadt Köln im Einsatz. Jüngeren Datums sind das Tiefdruckgebiet Ela im Jahr 2014 (09.06.2014, “Pfingstunwetter”) und das Orkantief Friederike im Januar 2018 zu nennen.

 

Gibt es generell bei den Wehren bezüglich der Ausrüstung / dem Einsatzgerät auch saisonale Vorbereitungen?

Grundsätzlich wird das Einsatzgerät ständig gewartet und instandgehalten. In den Fällen in denen Gerätehäuser vorsorglich besetzt werden, nutzt man die Zeit die Motorsägen noch einmal einem extra Check zu unterziehen.

Im Winter werden die Löschfahrzeuge zusätzlich mit einem Kanister Streusalz bestückt um der Rutschgefahr an Einsatzstellen begegnen zu können. Bei größerem Bedarf wird der Bauhof zur Unterstützung angefordert. Schneeketten werden nicht mehr vorgehalten, weil die heutigen Löschfahrzeuge alle mit Allradantrieb, Winterreifen und sogenannten Schleuderketten ausgerüstet sind. Per Knopfdruck können rotierende Ketten vor die Hinterachse geworfen werden und ermöglichen ein weiterfahren auch bei ungünstigen Straßen- und Wegeverhältnissen.

Alle Einheiten der Freiwilligen Feuerwehr Bergheim verfügen über sogenannte Tauchpumpen die je nach Größe eine Fördermenge von 400 bis 2000 l/min haben und zum Auspumpen von Kellerräumen, Baugruben und ähnlichem eingesetzt werden. Bei größeren Einsätzen bekommen wir Unterstützung von den umliegenden Feuerwehren oder bei Bedarf auch vom THW. Der Ortsverband Bergheim des Technischen Hilfswerk verfügt neben großen Tauchpumpen auch über eine Schmutzwasserpumpe auf einem Anhänger die bis zu 5.000 l/min fördern kann.

Trotz allem ist die Anzahl der Geräte und Mannschaften limitiert und bei großen Unwetterlagen kann nicht allen Betroffenen zeitgleich geholfen werden. Hier werden die Einsätze nach Dringlichkeit sortiert und gegebenenfalls vor Ort gesichtet um eine Prioritätenliste zu erstellen. Manche Hausbesitzer haben hohe Ansprüche, dass wir nach dem Auspumpen den Keller nicht auch noch feucht durchwischen ist aber nun einmal nicht unsere Aufgabe.

 

 

Themengebiet – Trockener und heißer Sommer 2018

 

Diesjährige Einsätze zur Bewässerung des Renaturierungsgebietes (ehemaliger Tagebau Bergheim) – kam es schon öfters in der Vergangenheit vor, dass eine zusätzliche Bewässerung seitens der Feuerwehr durchgeführt werden musste?

Nein, die Bewässerungsaktion dieses Jahr stellte für uns eine Ausnahme dar. Wir wurden gebeten hier zu helfen, weil wir die nötige Ausrüstung haben, eigentlich gehört dies nicht zu den gesetzlichen Aufgaben einer Feuerwehr. Bei der bewässerten Fläche handelte es sich um neu angepflanzte Bäume die ohne unsere Bewässerung den heißen Sommer nicht überstanden hätten. Solche Aktionen kommen zusätzlich zum Ausbildungs-, Übungs- und Einsatzdienst hinzu. Für die ehrenamtlichen Feuerwehrangehörigen erfolgt dies unentgeltlich. Die Angehörigen der Freiwilligen Feuerwehr Bergheim bekommen lediglich für die Einsatzteilnahme pro Einsatz eine Aufwandsentschädigung von zurzeit 3,- €. Bei einem Einsatz von 10 h Dauer bekommt der Freiwillige Feuerwehrmann umgerechnet also einen „Stundenlohn“ von 30 Cent. Ein finanzieller Anreiz zur Mitwirkung in der Freiwilligen Feuerwehr ist somit sicher ausgeschlossen.

 

Waren bei den diesjährigen Feld- und Waldbränden die meisten durch natürliche Ursachen ausgelöst worden oder meistens durch menschliche Einwirkung?

Die Anzahl der Vegetationsbrände war etwas höher als in den vorangegangenen Jahren. Die Ursachenermittlung ist allerdings nicht Aufgabe der Feuerwehr und belastbare Zahlen liegen uns nicht vor. Mögliche Ursachen sind Brandstiftung, Fahrlässigkeit z.B. Rauchen, Blitzeinschlag und technische Ursachen z.B. heißgelaufene landwirtschaftliche Maschinen. Häufig ist das Resultat aber auch „Brandursache unbekannt“.

 

Gab es sonstige besondere Einsätze durch den diesjährigen trockenen und heißen Sommer?

Der Löschzug Bergheim verfügt über ein großes Tanklöschfahrzeug mit 4.000 l Wassertank. Da an den Einsatzstellen in der Natur meist nur selten Hydranten in der Nähe sind, werden wir in solchen Fällen öfters zur Löschwasserversorgung alarmiert. Wir waren bei einem größeren Vegetationsbrand im Ortsteil Quadrath-Ichendorf, der sich im Bereich der Kippe auf mehrere 100 m² ausgebreitet hatte, im Einsatz. Alle anderen Brände konnten schnell gelöscht werden, bevor es zu einer größeren Ausbreitung kam. Da die Menschen heute meist ein Mobiltelefon bei sich haben, erfolgt der Notruf meist sehr früh. Das größere Problem ist dann für den Anrufer meist die genaue Ortsangabe, wo er sich gerade befindet.

Für die Feuerwehrangehörigen können Brände in Waldgebieten bei sommerlichen Temperaturen sehr anstrengend werden, weil bei hohen Temperaturen Schlauchleitungen in verqualmte und mit Fahrzeugen meist nicht zugängliche Gebiete verlegt werden müssen. Körperlich sind das sehr anstrengende Einsätze. Hinzu kommt, dass unsere Brandschutzkleidung nicht gerade für heißes Sommerwetter entwickelt wurde.

 

Waren seitens der Wehren durch die Hitze und Trockenheit andere Vorbereitungen und Prozesse nötig, die in den anderen Sommern / Jahreszeiten normalerweise nicht von Nöten sind?

Nein, zumindest nicht in unserem Stadtgebiet. Grundsätzlich sind die Feuerwehren es gewohnt, sich an aktuelle Gegebenheiten anzupassen und zu organisieren. Sicherlich sieht dies in Bereichen mit großflächigen Nadelwäldern anders aus. In den Löschfahrzeugen sind heute z.B. mittlerweile Lkw-Kühlboxen eingebaut und kühles Wasser steht den Einsatzkräften schnell zur Verfügung. Im Grunde haben die Feuerwehren größere Mineralwassermengen in den Gerätehäusern kühl gestellt und das war es dann auch an Vorbereitung.

Die Information der Bürger zum Umgang mit Feuer, das richtige Verhalten bei den hohen Temperaturen und das richtige Absetzen des Notrufes ist sicherlich eine wichtige Vorbereitung.

 

 

Themengebiet – Feuerwehren in NRW

 

Feuerwehren in NRW, Stand 2016

  • 30 Berufsfeuerwehren mit 9.614 Feuerwehrangehörigen
  • 84 Werkfeuerwehren mit 5.183 Feuerwehrangehörigen
  • 396 Freiwillige Feuerwehren mit 87.304 Feuerwehrangehörigen
  • 390 Jugendfeuerwehren mit 21.188 Jugendlichen
  • 38 Kinderfeuerwehren mit 1.122 Kindern

Einsätze im Jahr 2016 durch Sturm und Wasser

21.047 Einsätze

 

 

Themengebiet – Allgemeine Infos zur Freiwilligen Feuerwehr Bergheim

 

Wie sieht die Zusammenarbeit zwischen Berufsfeuerwehr und Freiwilliger Feuerwehr aus?

In der Kreisstadt Bergheim haben wir keine Berufsfeuerwehr, sondern seit 2007 eine Freiwillige Feuerwehr mit hauptamtlichen Kräften. Die hauptamtlichen Feuerwehrleute sind Beamte der Stadt Bergheim und stellen rund um die Uhr den sogenannten hauptamtlichen Abmarsch. Dieser besteht aus einer Drehleiter und einem Hilfeleistungslöschfahrzeug.

Die Zusammenarbeit zwischen den hauptamtlichen Kollegen und den ehrenamtlichen Kräften der Freiwilligen Feuerwehr Bergheim im Einsatz erfolgt problemlos. Die Kollegen sind quasi die 12. Einheit der Freiwilligen Feuerwehr Bergheim. Der hauptamtliche Abmarsch entlastet das Ehrenamt vor allem bei den vielen kleinen alltäglichen Einsätzen, so dass die Kolleginnen und Kollegen nicht für jede Ölspur oder brennende Mülltonne den Arbeitsplatz verlassen müssen. Ohne hauptamtliche Kräfte ist die Arbeit der Freiwilligen Feuerwehr in einer Stadt wie Bergheim zeitlich nicht mehr zu schaffen. Die Beschaffung, Prüfung und Wartung der Geräte und Fahrzeuge erfolgt hier ebenfalls zentral über das Sachgebiet Technik.

 

Fahrzeuge des Löschzug Bergheim

Im Löschzug Bergheim stehen sieben Einsatzfahrzeuge bereit. Die schweren Lkw werden in der Regel nach 25 Einsatzjahren ersetzt und die kleineren Fahrzeuge nach 15 Jahren. Im Gerätehaus in der Zeppelinstraße sind folgende Fahrzeuge stationiert:

Zwei sogenannte Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeuge. Diese Fahrzeuge sind halb Löschfahrzeug und halb rollende Werkzeugkiste. Weil wir an der Einsatzstelle meist keinen Werkzeughandel oder Baumarkt vorfinden, müssen wir möglichst alles was gebraucht werden könnte selber mitbringen. Bei der Feuerwehr heißt ein bekannter Spruch daher auch „besser haben als brauchen“.

Auf dem HLF 20 – 1 aus dem Jahr 1998 sind neben diversen tragbaren Leitern, Atemschutzgeräten, Schläuchen und Strahlrohren, Generatoren, Lichtmast, Seilwinde, hydraulischen Rettungsgeräten und Lkw Rettungsbühne all die Dinge verlastet die man benötigt um Lasten anzuheben, zu sichern oder zu zerlegen und Menschen zu retten. Das HLF 20-1 ist unser Erstausrücker bei Unfällen aller Art, insbesondere auf der Autobahn 61. Der Wassertank hat einen Inhalt von 2.000 l und der Schaummitteltank einen Inhalt von 200 l. Die eingebaute Feuerlöschkreiselpumpe leistet 2.400 l/min bei 8 bar. Gemäß aktuellem Haushaltsentwurf wird das Fahrzeug im Jahr 2021 durch einen Rüstwagen ersetzt.

Das HLF 20 – 2 aus dem Jahr 1997 ist etwas kleiner und hat keine Seilwinde und keinen fest eingebauten Generator. Der Wassertank hat einen Inhalt von 1200 l und die Feuerlöschkreiselpumpe leistet 1600 l/min bei 8 bar. Gemäß aktuellem Haushaltsentwurf wird das Fahrzeug im Jahr 2020 durch ein HLF 20 ersetzt.

Als Tanklöschfahrzeug verfügen wir über ein Pulvertanklöschfahrzeug 4.000 oder auch PTLF 4.000. Das Fahrzeug führt verschiedene Sonderlöschmittel mit: Neben 4.000 l Wasser bringt das Fahrzeug 500 l Mehrbereichsschaummittel, 120 l alkoholbeständiges Schaummittel, 250 kg BC-Pulver, 62 kg ABC-Pulver, 12 kg D-Pulver und 35 kg CO2 an die Einsatzstelle.

Als rollende Werkzeugkiste steht ein Rüstwagen bereit. Das Fahrzeug auf einem geländegängigen Unimog Fahrgestell, wurde 1988 vom Katastrophenschutz zur Verfügung gestellt und nach einer Ersatzbeschaffung im Jahr 2014 von der Löschgruppe Paffendorf nach Bergheim umgesetzt.

Das schwerste Fahrzeug im Fuhrpark, ist mit 26 t zulässigem Gesamtgewicht ein sogenanntes Wechselladerfahrzeug (WLF) mit einem Container zum Einsatz bei Unfällen mit gefährlichen Stoffen und Gütern (GSG). Dieses Fahrzeug wurde vom Rhein-Erft-Kreis beim Löschzug Bergheim stationiert und wird kreisweit eingesetzt. Für Einsatzlagen die nicht so häufig sind, für die allerdings besondere Gerätschaften vorgehalten werden müssen beschafft und stellt der Kreis diese allen Kommunen zur Verfügung.

Für den Einsatzleiter, den Mannschaftstransport und allgemeine Dienstfahrten steht ein Kommandowagen zur Verfügung.

Eine Besonderheit ist das Bergheimer Dorf. Hier steht in einer großen Garage ein zweiter Kommandowagen für die Kollegen die hier im Umfeld wohnen. Historisch liegt das daran, dass das Gerätehaus des Löschzugs Bergheim früher im Bergheimer Dorf lag und die Anfahrt zum neuen Gerätehaus in der Zeppelinstraße für viele Feuerwehrleute zu weit war um zeitnah ausrücken zu können. In Folge der Größe des Ortes und der Lage des Gerätehauses wird hier daher ein zweiter Standort vorgehalten. Zu Zeiten des Halblöschzuges Zieverich (aufgelöst nach dem 2. Weltkrieg) und vor der Zusammenlegung der Löschgruppe Kenten mit dem Löschzug Bergheim im Jahr 1974 war dieser Außenstandort noch nicht erforderlich.

 

Geschichte und Mannschaft

Die Freiwillige Feuerwehr in Bergheim wurde im Jahr 1896 auf Betreiben des damaligen Bürgermeisters Commer gegründet. Die erste Mannschaft nach der Gründung wurde im Wesentlichen vom Kirchenchor und dem Turnverein gestellt. Die Einheit Bergheim war die erste die so im heutigen Stadtgebiet entstanden ist. Von ehemals insgesamt 19 Freiwilligen Feuerwehreinheiten im Stadtgebiet sind heute noch 11 aktive Löschgruppen und –züge vorhanden.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde der Halblöschzug Zieverich nicht wieder aktiviert und aufgelöst. Nach dem zweiten Weltkrieg wurden die Halblöschzüge Quadrath und Ichendorf zur Löschgruppe Quadrath-Ichendorf zusammengelegt. Die Pflichtfeuerwehren in Rheidt und Hüchelhoven wurden zur Löschgruppe Rheidt-Hüchelhoven zusammengelegt. Die Pflichtfeuerwehr in Fliesteden wurde aufgelöst, eine Freiwillige Feuerwehr entstand hier nie. Die Löschgruppe Kenten und der Löschzug Bergheim wurden mit dem Neubau des heutigen Feuerwehrgeräthauses 1974 zusammengelegt. Die Löschgruppe Fortuna wurde Ende der 70er / Anfang der 80er Jahre aufgelöst, weil der Ort dem Tagebau Bergheim weichen musste. Die Löschgruppe Auenheim wurde 1989 in Folge von Mitgliedermangel aufgelöst.

Das aller wichtigste einer jeden Feuerwehr in der Welt sind die Menschen. Ein Gerätehaus und moderne, große rote Autos machen noch lange keine Feuerwehr aus und sind für sich alleine seelenlose, ja gar völlig nutzlose Gegenstände. Erst die von der Sache überzeugten Menschen die sich mit ihrer Zeit und ihrem Wissen einbringen, erwecken all die oben genannten Dinge zum Leben.

 

Der Löschzug Bergheim besteht heute aus:

Einer Jugendfeuerwehr in der sich aktuell 27 Mädchen und Jungen im Alter von 10 bis 18 Jahren engagieren um dann als Erwachsene in die aktive Wehr überzutreten. Neben Feuerwehrtechnik, gemeinsamen Ausflügen und Zeltlagern steht auch das Erlernen von sozialen Kompetenzen mit auf dem Dienstplan. Zu erkennen was man als Gruppe erreichen kann und das man vieles demokratisch entscheiden muss sind wichtige Erfahrungen für das gesamte Leben.

Der aktiven Wehr, in der aktuell 50 Frauen und Männer die Einsatzbereitschaft sicherstellen.

Der Ehrenabteilung, in die man nach Erreichen der Altersgrenze von 67 Jahren oder bei Untauglichkeit in Folge von Erkrankung überstellt wird. Hier sind aktuell 17 Mitglieder vorhanden.

 

 

Neue Mitglieder und Nachwuchskräfte für die Freiwillige Feuerwehr

Nachwuchswerbung ist für uns sehr wichtig und hat oberste Priorität. Freiwillige Feuerwehren benötigen einen großen Personalstamm, weil wir in Folge von Arbeit, Freizeit, Urlaub und Erkrankung nie vorhersagen können ob bei einer Alarmierung nun vier oder zwanzig Mitglieder zum Einsatz kommen.

Interessenten sind bei uns immer gerne gesehen und können sich jederzeit unverbindlich ein eigenes Bild bei uns machen! Wichtig ist, dass sich der oder die neue Kollegin/Kollege bei uns und der Tätigkeit wohl fühlt. Wir suchen natürlich langfristige Mitglieder was aber in der heutigen Zeit in Folge einer veränderter Arbeitswelt und eines anderen Freizeitverhaltens zunehmend schwieriger ist als früher.

Die erste Hürde zur Mitgliedschaft ist ein Besuch bei uns und sich bei einem Dienstabend einfach mal vorzustellen. Als nächstes folgt ein Gespräch mit der Wehrführung und wenn dann noch ein tadelloses polizeiliches Führungszeugnis und ein befähigter Arzt die Atemschutztauglichkeit bescheinigt hat, ist man Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Bergheim auf Probe. Nach sechsmonatiger Probezeit ist man dann endlich ein kleiner Teil der weltweiten Feuerwehrfamilie. Menschen davon zu überzeugen, oder besser noch schon von der Sinnhaftigkeit überzeugte für die Tätigkeit in der Feuerwehr auszubilden und unter häufig gefährlichen Bedingungen einsetzen, ist nicht einfach. Wer allerdings einmal Gefallen an der Feuerwehr gefunden hat, den lässt das sein Leben lang nicht mehr los. Nach der erfolgreichen Aufnahme in die Freiwillige Feuerwehr stehen erst einmal Lehrgänge auf dem Programm. Der Grundlehrgang bei der Freiwilligen Feuerwehr ist der sogenannte Truppmannlehrgang. Dieser beinhaltet in der zweiten Hälfte einen Funker- und einen Atemschutzgeräteträgerlehrgang. Jeder dieser Lehrgänge schließt mit einer schriftlichen und praktischen Prüfung ab. Wenn das alles zügig abläuft, dann kann ein neues Mitglied also nach knapp zwei Jahren im Brandeinsatz eingesetzt werden. Die Teilnahme an Einsätzen ist natürlich auch vorher möglich allerdings sind die Einsatzmöglichkeiten ohne Ausbildung stark eingeschränkt. An der Kreisfeuerwehrschule in Bedburg – Rath können dann viele weitere Lehrgänge und Seminare besucht werden z.B. zu Themen Gefahrgut, Absturzsicherung, Maschinist, Technische Hilfeleistung, Tiefbau und vielen anderen. Wer dann die Karriereleiter hochklettert kann dann auch Führungskraft, diese werden am Institut der Feuerwehr in Münster ausgebildet.

 

Schließen möchten wir mit einem Zitat von Helmut Schmidt:

“Ich habe die Angehörigen der Feuerwehren als die zuverlässigsten und als die vertrauenswürdigsten Staatsdiener erlebt. Deshalb möchte ich wünschen und zugleich hoffen, dass viele der jungen Leute in den Jugendfeuerwehren sich später als Erwachsene den Geist der beständigen Bereitschaft und des Engagements für Leib und Leben ihrer Mitbürger bewahren – und weitergeben.”

 

 

Nächste Veranstaltungen wo man die Freiwillige Feuerwehr BM treffen kann

Die nächsten Veranstaltungen des Löschzuges werden der Tag der offenen Tür und im Jahr 2021 das 125 jährige Jubiläum des Löschzuges sein. Natürlich besteht auch die Möglichkeit, abseits dieser Veranstaltungen Kontakt zur Freiwilligen Feuerwehr aufzuehmen. Dies ist möglich unter Anderem über die Facebookseite der Freiwilligen Feuerwehr Löschzug Bergheim, wo ihr auch die Aktivitäten der FFW mitverfolgen könnt – ebenfalls sehr zu empfehlen.

 

 

 

Abschließende Worte

Abschließend möchte ich mich noch einmal recht herzlich bei der Freiwilligen Feuerwehr Löschzug Bergheim und insbesondere Frank Ruland bedanken, die dieses Interview möglich gemacht haben und dabei dann sehr ausführlich auf meine Fragen eingegangen sind. Ich bin mir sicher, dass dieses Interview vielen Lesern einen neuen oder mindestens detailierteren Blick in Richtung der Freiwilligen Feuerwehren eröffnet und hoffe dabei auch, dass so vielleicht auch etwas Verstärkung durch neue Mitglieder gefunden werden kann. Die hier gezeigten Fotos wurden mir freundlicherweise von der Freiwilligen Feuerwehr Löschzug Bergheim zur Verfügung gestellt.

WetterBM sagt vielen Dank!

 

Autor:  Frank Rinas

 

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