Vorabinformation: Orkantief “Sabine” (09./10.02.2020)

 

WETTERLAGE: Am Sonntag und Montag ist bei uns mit dem ersten sehr kräftigen Sturm in 2020 zu rechnen. Da entsprechende, man kann es schon Orkantief nennen, Tief trägt den Namen “Sabine” und wird wohl Sonntagmorgen mit seinem Kern noch westlich von Schottland zu finden sein. Bereits hier soll es einem relativen Luftdruck von nur noch 950 hPa vorweisen und sich auf seiner weiteren Zugbahn knapp nördlich vorbei an Schottland und dann nach Nordosten gen norwegische Küste noch bis auf 940 hPa verstärken. Bereits in der Nacht auf Montag wird das Tief mit seinem Kern schon nördlich von Schottland liegen. Trotz dieser Entfernung zum Tiefkern hat es einen groißen Einfluss auf Europa da es ein kräftiges Orkantief ist, dass ein großflächiges Sturmfeld südlich des Kerns mit sich führt. Nach dem aktuellen Stand werden folgende Gebiete in Europa besonders betroffen sein: Großbritannien, die Nordhälfte Frankreichs, Belgien, die Niederlande, Deutschland (besonders die Nordwesthälfte), Dänemark, Teile Polens und allgemein die Gebiete um die Ostsee. Der Höhepunkt des Sturms wird am Sonntagabend bis in die Nacht auf Montag erwartet.  

 

WETTERFRONTEN: Nach den aktuellen Berechnungen erreicht uns die Warmfront des Sturmtiefs wohl mit ihren ersten Ausläufern gegen Sonntagmittag. In Verbindung mit der Warmfront steigt die Temperatur auf 850 hPa (circa 1500 m) auf gut +5°C an. Auch bei uns bodennah wird dabei im Warmsektor vorderseitig der Kaltfront mildere Luft herangeführt. Wahrscheinlich werden bodennah um die 12-14°C erreicht. Der genaue Zeitpunkt der Kaltfrontpassage ist noch etwas unsicher und diese könnte bereits am twas späteren Abend, um Mitternacht oder auch kurz danach eintreffen. Die Wettermodelle schwanken diesbzüglich noch ein wenig. Die Kaltfront wird dabei der gefährlichste Abschnitt, da hier vermehrt Höhenwinde herabgemischt werden können. Bereits Montagmorgen soll auf 850 hPa die Temperatur bei nur noch -2°C liegen.

Quelle der Modellkarte:  www.wetter3.de

 

 

Nachfolgend gehe ich mal kurz auf ein paar Elemente des Wetters am Sonntag / Montag ein, die von besonderem Interesse sein sollten. Ich möchte auch hier unbedingt noch einmal betonen, dass die Wetterlage lokal nicht einfach zu erfassen ist und es noch Unsicherheiten bezüglich der Zugbahn und des zeitlichen Ablaufes rund um das Orkantief gibt. Auch sind einige der nachfolgenden Wetterelemente nur lokale Ereignisse. Das bedeutet sie werden nicht überall auftreten, gehören aber zu den möglichen Begleiterscheinungen.

 

Wind / Sturm: Das Orkantief besitzt wie bereits weiter oben beschrieben ein ausgeprägtes Sturmfeld. Bezüglich des Ablaufes mit dazugehörigen Windgeschwindigkeiten lässt sich dies nun nur im groben Ablauf beschreiben und darstellen. Bereits am Sonntagvormittag sind wohl erste starke Böen von 50-60 km/h denkbar. Mittags könnten dann schon erste Böen zwischen 60-75 km/h dabei sein, wobei man hier im Warmsektor gucken muss, inwiefern sich das schon zeigt. Nachmittags und abends sollte es dann aber zunehmend sehr stürmisch werden, da sich ja auch die Kaltfront aus Westen nähert. Abhängig davon wie die Regenfälle aufreten und wie schnell die Kaltfront wirklich ist, sind ab dem Nachmittag und spätestens zum Abend Sturmböen oder schwere Sturmböen zwischen 80-95 km/h bereits möglich. Im weiteren Abendverkauf bis in die Nacht auf Montag muss man dann gucken, wie sich die Kaltfront formiert hat und wie die Niederschläge auftreten. Einige aktuelle Modellläufe gehen derweil davon aus, dass die Kaltfront organisiert auftreten sollte und auch teils ausreichend Labilität vorhanden sein wird. Dies könnte di Bildung von kräftigen Schauersegmenten sowie Gewittern fördern. Hier sind dann unter Umständen, auch besonders bei möglichen einzelnen Gewittern, orkanartige Böen oder gar Orkanböen um 120 km/h oder gar darüber nicht ausgeschlossen. Bezüglich der Böen kann aber lokal keine genaue Vorhersage erfolgen, da diese von vielen Faktoren abhängig sind. Hier lassen sich nur wieder die Möglichkeiten benennen. Den gesamten Montag bleibt es dabei dann stürmisch und besonders in der Nähe von Schauern oder Gewittern sind weiterhin Sturmböen oder schwere Sturmböen durchaus denkbar, abhängig vom Höhenwind. Am Montag im Abendverlauf soll uns dabei bereits ein weiteres kleinräumiges Tief mit seinem Sturmfeld treffen, was kurzeitig wieder zu Böen von 75-90 km/h führen soll. Bis einschließlich Mittwoch bleibt es zeitweise stürmisch.

 

 

Niederschlag: Der aktuelle Modelllauf vom amerikanischen Wetternodell GFS sieht tagsüber erst einmal keine Niederschläge. Erst ab den Abendstunden werden erste Schauern vorderseitig der Kaltfront simuliert, welche bereits Teile des Höhenwindes heruntermischen können. Mit Annäherung der Kaltfront sollen dann im Laufe des Abends aus West-Nordwest erste Regenfälle aufziehen. Besonders mit der Kaltfrontpassage sollen diese schauerartig ausfallen und können lokal sehr kräftig sein, sodass lokal auch Starkregen auftreten kann. Im Nachtverlauf auf Montag ziehen die Niederschläge dann mehr und mehr nach Südosten ab und nachfolgend können immer mal wieder Schauern auftreten. Besonders Montag im Tagesverlauf kann in Verbindung mit Schauern durch die eingeflossene kältere Luft auch Graupel auftreten. Auch einzelne Gewitter sind denkbar.

 

Gewitter: Ein erhebliches Gefahrenpotential stellen Gewitter dar, falls sich diese an der Kaltfront bilden können. Somit ist es ab dem späteren Abendverlauf durchaus möglich, dass entlang der hereinziehenden Kaltfront vereinzelt Gewitter auftreten können. Besonders in diesem Fall besteht dann lokal ein hohes Risiko, dass hier vereinzelt Orkanböen um 120 km/h oder auch darüber, erreicht werden können. Auch rückseitig der Kaltfront sind dann im Nachtverlauf sowie am Montag vereinzelte Gewitter denkbar, die dann teils mit Graupel auftreten können. Auch hier sind dann immer markante Windereignisse möglich die durchaus auch weiterhin lokal über 100 km/h erreichen könnten. 

 

Temperatur: Am Sonntagnachmittag werden Höchstwerte zwischen 12-14°C erreicht und auch abends, vor der Kaltfront, sinkt die Temperatur kaum. Besonders mit Annäherung der Kaltfront konnte man in der Vergangenheit öfters beobachten, dass die Wettermodelle die Höchsttemperatur ein wenig zu tief ansetzten. Somit können vielleicht sogar die 15°C erreicht werden. Auch im Abendverlauf vor der Kaltfrontpassage bleibt es weiterhin mild. Rückseitig der Kaltfront sinkt die Temperatur bis zum Morgen wohl auf Werte um 8°C ab, was nicht besonders kühl ist. Hintergrund ist hier, dass die Tiefdruckaktivität weiterhin anhalten wird und wir somit recht schnell auf die nächste Vorderseite eines Tiefs gelangen. Aber an der Tageshöchsttemperatur am Montag, die lediglich noch bei den genannten 8°C liegen soll, merkt man ein wenig die kühlere Luft im Vergleich zum Vortag. Auch der Wind wird hier gefühlt deutlich kühler sein als dies noch am Sonntag war.

 

 

Bitte beachten:  Die Vorhersagen wurden anhand der aktuellen Modellberechnung (GFS, 08.02.2020, 0z) erstellt.  Besonders die Details bezüglich der Zugbahn des Orkantiefs sind noch nicht komplett sicher sowie auch die Intensität und der zeitliche Ablauf zeigen noch kleinere Unsicherheiten. Am Samstag im Tagesverlauf erfolgt eine etwas detaillierte Analyse der verfügbaren Wettermodelle mit einem anschließenden Update der Vorhersageinhalte dieses Beitrags. Bitte beachtet zudem, dass ich nur ein ehrenamtlicher Hobbymeteorologe bin – wobei ich natürlich mein Bestes gebe, um möglichst präzise Vorhersagen zu machen.

 

Autor: Frank Rinas

Aktualisiert: 08.02.2020, 21:35 Uhr

 

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