Leuchtende Nachtwolken (NLC)

 

Allgemeines zu den NLCs: Bei den leuchtenden Nachtwolken handelt es sich um Wolken aus Eiskristallen auf 81-85 km Höhe wodurch sie sich in unserer Mesosphäre (51-85 km) befinden. Diese Wolken sind aus mehreren Gründen sehr besonders: Zum Einen sind sie die mit Abstand höchsten Wolken unseres Planeten, denn die Wolken die wir sonst sehen und kennen reichen meistens nur höchstens auf 13 km Höhe in unseren Breiten, in tropischen Regionen etwas höher. Die Mesosphäre ist mit Abstand kälteste Schicht der Erdatmosphäre. Im Winter findet wir dort oben Temperaturen um – 85°C und im Sommer ist es deutlich kühler mit Werten jenseits der -120°C, teils auch bis -145°C. Diese Temperaturunterschiede zu den Jahreszeiten erklärt sich durch die sogenannte Arktis-Antarktis-Kopplung. Damit sich in der nur wenig feuchten benötigten Höhe Eiskristallen bilden, benötigt man Temperaturen unter – 130°C – diese Bedingung ist bei uns in der Regel nur im Juni und Juli gegeben. Das dort vorhandene Wasser benötigt natürlich einen Kondensationskeim, damit es sich anlagern und Eiskristalle bilden kann. Da die Mesosphäre die Schicht ist wo die Meteore / Sternschnuppen verglühen, geht man davon aus das unter Anderem diese verglühten Staubteilchen als Kondensationskeime dienen. Auch soll wohl die Sonnenaktivität Einfluss auf die Bildung von leuchtenden Nachtwolken haben. Von deutlich nördlicheren Breitengraden kommend wird es natürlich zunehmend etwas wärmer, sodass sich die Eiskristalle je nach Temperatur der Mesosphäre (z.B. über Europe) schnell verflüssigen – wodurch die leuchtenden Nachtwolken verschwinden. Meist nur im Juni und Juli greift die ausreichend kalte Luft in der Mesosphäre (durch teils starke Winde) weit genug nach Süden aus, sodass auch wir die Wolken sehen können. Der Name leuchtende Nachtwolken lässt die Vermutung aufkommen, dass diese Wolken nur nachts vorhanden sind – das ist aber nicht richtig. Die Wolken können sich auch tagsüber bilden und über uns befinden, doch wir können sie tagsüber nicht sehen.

 

 

Vorinformieren: Zur Beobachtung der leuchtenden Nachtwolken gehört aber auch immer etwas Glück, denn neben dem Wetter das passen muss, muss natürlich auch alles in der Mesosphäre passen, damit die leuchtenden Nachtwolken auch bei uns noch zu sehen sind. Eine kleine Hilfe bietet hier das sogenannte “Ostsee-Wind-Radar OSWIN“. Sind hier tagsüber Signale vorhanden und am Besten bis in den späteren Abend, könnte dies auf vorhandene NLCs hindeuten – garantiert diese aber nicht. Bitte aber beachten, dass das Radar für Messungen das Sonnenlicht benötigt – soll heißen im Abendverlauf – nachts und bis morgens werden keine Signale angezeigt da keine Messungen möglich sind. Wer an der Beobachtung von NLC’s oder auch Polarlichtern interessiert ist, sollte sich unbedingt bei Meteoros registrieren und regelmäßig in die Foren reinschauen. Zudem gibt es dort wunderbare Erklärungen zu zahlrichen atmosphärischen Phänomenen. Eine Einschätzung ob NLCs sichtbar sein könnten, kann man auch auf Facebook finden.

 

 

Beobachtung / Voraussetzungen: Das Beobachtungsfenster für leuchtende Nachtwolken erstreckt sich grob gesagt von Anfang Juni bis Ende Juli, in Einzelfällen eventuell auch mal Mitte Mai bis Mitte August. Dabei kann man theoretisch bei passendem Wetter jeden Abend und auch jeden Morgen in dieser Zeit sein Glück versuchen. Aufgrund der hohen Höhe der NLCs ergibt sich neben diesen zwei Monaten die man einhalten muss eine weitere Bedingung. Aufgrund der hohen Höhe der leuchtenden Nachtwolken muss sich die Sonne – 6° bis – 16° unter dem Horizont befinden (bei besonders starken Erscheinungen sind auch – 4° unter dem Horizont manchmal ausreichend). Diese Position der Sonne ist wichtig, da nur in dieser die leuchtenden Nachtwolken von der Sonne angeleuchtet werden, während die deutlich tieferen Wolken bereits kein Sonnenlicht mehr abbekommen. Leuchtende Nachtwolken produzieren selbst also keine Licht, sondern reflektieren lediglich das Sonnenlicht. Um die Sonnenhöhe und die entsprechende Uhrzeit zu wissen, kann man Planetariumsprogramme nutzen (z.B. Easysky oder Sellarium) oder nach der nautischen Dämmerung gucken, welche das Zeitfenster dann eingrenzt.

Wo sollte man hingucken? Für eine Beobachtung sollte man möglichst freie Sicht in Richtung NW-N-NO haben, denn oftmals sind die NLCs auch nur sehr horizontnah zu beobachten. Erwischt man aber einen guten Tag, so können sich die NLCs auch mehr als 20° über dem Horizont befinden oder gar bis in den Zenit reichen. Leuchtende Nachtwolken haben je nach Sonnenstand eine gelbliche, silbrige oder perlmuttartige Farbe und können sehr feine (z.B. fasrige oder verdrehte) Strukturen aufweisen. Man darf diese aber keineswegs mit Cirrus-Wolken verwechseln.

 

Beobachtungsbeispiel: Nehmen wir als Beobachtungsbeispiel mal den 10.06.2016, wo die Sonne um 21:45 Uhr untergeht. Das Zeitfenfenster beginnt dabei gegen 22:40 Uhr (Sonne – 6°) wo in der zunehmenden Dämmerung vielleicht erste Strukturen in nördlicher Richtung aufgespührt werden können. Diese Strukturen werden dann wenn alles gut läuft noch etwas heller. Zur Nacht hin wenn die Sonne deutlich unter dem Horizont ist, ziehen sich die NLCs meistens in Richtung Horizont zurück und werden schwächer, was am Einfallswinkel des Sonnenlichtes liegt (hier so um Mitternacht herum). Theoretisch könnten aber die ganze Nacht (Sonne hier im Beispiel nie – 16° unter dem Horizont) NLCs beobachtet werden. Neben dem späten Abend bietet der sehr frühe Morgen das zweite sehr interessante Beobachtungsfenster, wo die Sonne langsam wieder in Richtung Horizont steigt und somit wieder mehr mögliche leuchtende Nachtwolken beleuchten wird (natürlich nur wenn welche vorhanden sind). So ergäbe sich hier in diesem Beispiel ein guter Beobachtungszeitraum von circa 02:45 Uhr bis 04:25 Uhr, wo die Sonne wieder – 6° unter dem Horizont erreicht und wo sie dann um 05:19 Uhr ihren Aufgang haben wird. Die besten Zeitpunkte für unsere Region liegen also am späten Abend sowie am sehr frühen Morgen.

 

 

Fotografieren: Wer die leuchtenden Nachtwolken dann gesehen hat, möchte diese in aller Regel natürlich auch fotografieren. Am Besten eignet sich hier eine digitale Spiegelreflexkamera (DSLR), da diese in der Regel Nachtaufnahmen und längere Belichtungszeiten qualitativer hinbekommen, als andere Kameras. Theoretisch kann man aber jede Kamera nutzen, die etwas länger belichten kann. Was man auf keinenfall vergessen sollte, ist ein Stativ. Die Kameraeinstellungen variieren natürlich auch mit dem Bedingungen die draussen herrschen – oder eben wie hell die leuchtenden Nachtwolken sind. Grob gesagt sollte man es mit der Belichtung nicht übertreiben, denn belichtet man zu lange könnten die schönen Strukturen verschwimmen. Für eine DSLR sollte die ISO-Zahl wenn es geht nicht über 400 gehen, wobei manchmal 800 auch noch im Rahmen ist wenn es allgemein noch recht dunkel ist. Ansonsten reicht ISO 200 bis 400 meist aus. Dazu reicht meist eine Belichtung von wenigen Sekunden aus, nur selten wird man mehr als 5 Sekunden belichten müssen (bei ISO 400-800). Die Blende (F) sollte dabei möglichst offen sein, also die niedrigst mögliche Zahl ist hier ideal – denn umso weniger Belichtungszeit braucht man. Ansonsten kann man ja heute zum Glück ausprobieren und später löschen, wenn ein Bild nix geworden ist. Normale Speicherchgips bieten ja heute schon Kapazität für mehrere hundert Bilder. Ein paar meiner Fotos findet ihr hier.

 

Autor:   Frank Rinas

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