Lokale Einflüsse auf das Wetter?

Wie und ob Tagebaue, Kraftwerke, Bergregionen, Straßen, Flüsse und Seen unser Wetter beeinflussen.

 

Einleitung:

Das Thema Wetter ist ein sehr interessantes Thema und es beeinflusst jeden unserer Tage. Das dabei auch regionale Gegebenheiten dieses teilweise beeinflussen können, ist aus vielen Regionen bekannt die zum Beispiel am Meer oder an Gebirgen liegen. Doch wie sieht es mit etwas kleinräumigeren Einflüssen aus? Auch in unserer Region gibt es einzelne Faktoren welche unser Wetter eventuell auch mit beeinflussen. Das Problem an der ganzen Sache ist, dass es dazu keine gesicherten öffentlichen Studien gibt – hierzu zählen besonders der Einfluss vom Tagebau oder auch der Sophienhöhe. Ich werde mich im nachfolgenden Artikel bemühen, auf diese Themen etwas einzugehen. Ich sage aber direkt dazu, dass es sich hierbei nur um Vermutungen handelt und ich somit nicht garantieren kann, dass diese Einschätzungen auch so gänzlich der Wahrheit entsprechen. Ich lehne mich dabei mit meinen Vermutungen meist auf die Beobachtung der vergangenen 15 Jahre (hier besonders mit Radarbildern) und meinem meteorologischen Wissen, dass ich in dem gleichen Zeitraum sammeln konnte. Anders ist dies leider nicht möglich, da eben keine detailierten Studien vorliegen. Im Jahr 2010 regte die Gemeinde Elsdorf-Angelsdorf eine Studie an, welche den Einfluss von Tagebau und Sophienhöhe untersuchen sollte. Wie so oft, scheiterte dies aber wohl an den finanziellen Mitteln. Dann legen ich also nun einmal mit meinen Einschätzungen los.

 

 

Wolkenbildung:

Um eine gute Basis für die nachfolgenden kleinen Artikel zu bekommen, befassen wir uns nun erst einmal kurz mit der Wolkenentstehung. Die Grundlage für die Wolkenbildung ist das Wasser auf der Erdoberfläche (Meere, Seen, Flüsse, Pfützen, …) welches bei entsprechender Erwärmung durch die Sonne zu verdunsten beginnt. Die warme Luft steigt dann auf und nimmt Wasserteilchen (Wassermolekühle) mit nach oben und kann je wärmer sie ist mehr Wasserteilchen mitnehmen. Die Luft kühlt auf ihrem Weg nach oben ab wodurch der Platz der Teilchen immer kleiner wird (kühle Luft ist komprimierter). Irgendwann ist die aufsteigende Luft gesättigt – das heißt der sogenannte aufsteigende Wasserdampf kann keine weiteren Wasserteilchen mehr aufnehmen. Spätestens hier kommen die sogenannten Aerosole (sehr kleine nicht gasförmige Partikel die so leicht sind, dass sie von der Luft getragen werden) ins Spiel. Sie bestehen aus festen oder flüssigen Materialien und die am häufigsten vorkommenden sind Schwefelverbindungen sowie Kerne von Meersalz. Es gibt aber noch weitere wie zum Beispiel Staub und Ruß. Der gesättigte Wasserdampf beginnt sich an diese Partikel (Kondensationskerne) anzulagern beziehungsweise kondensiert und bildet kleine Wassertröpchen. Somit hat die Entstehung der Wolke begonnen. Dieser Prozess setzt aber auch Wärme frei, die wiederum erneut Partikel mit angelagerten Tröpchen weiter aufsteigen lässt. Weiter oben wird es dabei weiterhin kühler und somit ist die Luft schneller gesättigt. Es bilden sich dann mit der Zeit größere Tropfen, die dann irgendwann zu schwer werden und als Regen gen Erdboden fallen. Dort angekommen kondensiert das Wasser durch Wärme erneut und je nach Luftmasse beginnt das Ganze wieder von vorne (der sogenannte Wasserkreislauf). Damit kann man auch ganz grob den sogenannten Aufwindbereich und den Abwindbereich der Schauern / Gewitter verstehen. Im Aufwindbereich wird der Wasserdampf teils kräftig (je nach Stärke der Zelle) vertikal in die Atmosphäre transportiert und der Abwindbereich ist der Bereich, wo die Wassertropfen (oder eben auch Graupel oder Hagel) zu schwer werden und zu Boden fallen. Eine nur sehr grobe Beschreibung, aber ich glaube das wichtigste wurde genannt. Mit diesem Wissen können wir uns nun der eigentlichen Thematik etwas besser widmen.

 

 

Was zeigt der Blick zum Himmel wirklich?

An dieser Stelle noch kurz eine sehr interessante Exkursion. Wolken sind also nur eine Ansammlung von vielen vielen Wassertröpchen (oder eben Eiskristallen bei den sehr hohen Wolken) die sich an den Kondensationskernen “angelagert” haben. Theoretisch wären diese also unsichtbar. Durch die Menge der Wasserteilchen wird das Sonnenlicht in den Wassertröpchen aber so gestreut, dass für unser Auge die weiße Farbe reflektiert wird und wir die Wolken mit weißer Farbe sehen. Bei den gräulichen und sogar dunkelgrauen Wolken sind einfach noch viel mehr Wassertröpchen enthalten, sodass weniger reflektiertes Licht zu unserem Auge gelangt. Man muss aber auch bedenken, dass es Wolken in verschiedenen Höhen gibt, sodass auch deren Überlagerung teils dunkle Gebiete am Himmel erzeugt. Dies heißt also nicht immer, dass die Wolken in der unteren Wolkenschicht soviel Wasser enthalten weil sie dunkel erscheinen. Die Vorstellung ist aber mehr als
interessant, dass wir dort oben am Himmel nur die Ansammlung von einer immensen Menge von schwebenden Wassertröpchen sehen und nichts anderes.

 

 

Die Auswirkung von Tagebauen auf unser Wetter

Inwiefern der Tagebau Einfluss auf das Wetter nimmt ist wie schon eingangs erwähnt nicht in der geplanten Studie untersucht worden. Daher folgt hier auch nur eine Einschätzung meinerseits. Ein Tagebau ist ein eher trockenes Gebiet welches weniger Feuchtigkeit beherbergt. Als Gegenbeispiel nehmen wir mal einen Wald. Hier haben wir die Bäume und Pflanzen welche die Feuchtigkeit speichern können und vorallem auch die Böden sind geschützter vor der direkten Sonnenein-strahlung, sodass auch hier die Feuchtigkeit höher bleibt. Diese Einflüsse sorgen dafür, dass man in Wäldern eine kühlere Luft vorfinden, als zum Beispiel auf den Feldern nebenan. Feuchtere Luft ist dementsprechend kühler als trockene Luft. Der Tagebau gehört ja eindeutig zu den Gebieten mit trockenerer und somit auch wärmerer Luft. Somit braucht es hier nicht viel Unterstützung, damit die warme Luft beginnt aufzusteigen. Kommt dann die Sonneneinstrahlung hinzu, wird dieser Aufstieg also beschleunigt und Wasserdampf kann schneller aufsteigen. Die hier schneller auftsteigende warme Luft samt Wasserdampf könnte durch die höhere Aufstiegsgeschwindigkeit theoretisch schon Einfluss auf raschere Niederschlagsentwicklung haben, allerdings muss man auch sagen, dass so ein Tagebau allgemein gesehen ein recht kleines Gebiet ist. Daher ist die Stärke dieses Einflusses mehr als fragwürdig.

Ein weiterer interessanter Aspekt bietet dagegen der Staub den man ja ohne Frage in Gebieten mit Tagebau vorfindet. Damit meine ich aber nicht einmal den größeren sichtbaren Staub, sondern die für unser Auge unsichtbaren winzigen Staubpartikel. Diese können mit der warmen Luft nämlich aufsteigen und somit als Kondensationskerne dienen, wo sich die Wassertröpchen anlagern können. Ist die Luftmasse feucht genug, könnten sich hier also schneller mehr Wassertröpfchen anlagern und diese können noch rascher wachsen. Zieht nun eine stärkere Schauer oder ein Gewitter auf, gerät das Gebiet teils auch in den Aufwindbereich der Zelle. Hier werden dann natürlich noch schneller und noch mehr Wasserdampft vom Erdboden nach oben befördert, damit aber eben auch die winzigen Stauteilchen. Dies würde natürlich auch zu einer vermehrten Anlagerung von Wassertröpchen an diesen führen und somit könnte der Niederschlag verstärkt werden. Auch hier ist aber fragwürdig, ob dieser Effekt einen nennenswerten Einfluss auf die weitere Entwicklung der Niederschläge oder eben des Gewitters hat. Ich konnte zum Beispiel am 10.07.2012 vom Feld aus ein Gewitter beobachten, welches in Richtung Tagebau Hambach / Sophienhöhe eine deutliche Verstärkung des Aufwindes zeigte. Oftmals passierte aber bei aufziehenden Schauern und Gewittern auch einfach gar nichts, sodass eine solche Beobachtung leider auch nicht weiterhelfen wird. Dafür bräuchte es detailiertere Beobachtungen und vorallem Messungen, die aber finanziell von Privatpersonen natürlich definitiv nicht getragen werden können.

Bekannt sein dürften auch die “berühmten” Staubwolken vor teils kräftigen Schauern oder Gewittern sein (wie zum Beispiel Juli 2010, die Auslöser für den Versuch der eingangs erwähnten Studie war). Diese treten so natürlich nur im Umfeld von Standorten auf, wo viel loser Staub und Dreck zu finden ist (Tagebaue, Abbaugebiete von anderen leichten sandigen Materialien, Strände, Wüsten, …). Wie kommt es nun aber, dass diese vor den Zellen hergeschoben werden? Es fällt auf, dass diese Staubwolken nur vor stärkeren Zellen auftreten. Diese weisen zum Einen teils kräftige Aufwindbereiche auf, bei denen bereits trockener und somit leichter Staub und Dreck in gewisser Größe etwas in die Höhe befördert werden kann. Dies ist aber keinesfalls der Hauptgrund der Staubwolken, da diese meist aus größeren Staubteilchen bestehen (das sieht man besonders gut an den Ablagerungen danach auf dem Boden und den Fenstern und am Knirschen im Mund, wenn man einer solchen Staubwolke ausgesetzt wurde). Entscheidender ist hier aber ein anderer Grund. Im Abwindbereich fällt der teils kräftige Niederschlag, der mit seiner vergleichbaren hohen Masse (Wassergehalt) gen Boden schnellt. Dabei erzeugt dies die teils kräftigen Böen die wir dementsprechend meist vor Eintreffen des starken Niederschlages wahrnehmen oder in dessen vorderen Bereich. Die stärkeren Böen dieser Art treten ebenfalls mit dem starken Niederschlag auf und werden als Fallböen (oder auch Downburst) bezeichnet. Diese findet man wenn meist in Verbindung mit Gewittern. Der durch den Niederschlag erzeugte Wind geht dann in Zugrichtung vor dem niederschlagsbereich gen Erdboden und schiebt dabei den Staub vor der Zelle her.

 

FAZIT: Es ist leider nicht möglich, den genauen Einfluss eines Tagebaus auf das Wetter zu bestimmen. Fraglich ist zum Einen die Fläche die ein solcher Tagebau hat, da dieser im Vergleich doch recht klein erscheint um einen entscheidenen Einfluss auf die Entwicklungen in der Atmosphäre zu nehmen. Das die Staubpartikel die Förderung und Bildung der Wassertröpchen anregen scheint logisch, aber auch hier ist fraglich ob die Fläche und Menge der Teilchen entscheidene Auswirkungen hat. Dies wäre also wirklich nur mit Studien und genauen Messungen zu klären. Einzelne Beobachtungen der letzten Jahre zeigten dabei keine typischen Entwicklungen (seien es Abschwächungen oder Verstärkungen von aufziehenden Zellen), sodass dieses Thema eher offen bleibt und man nur vermuten kann.

 

 

 

Die Auswirkung von Kraftwerken auf unser Wetter

Auch zum Thema Kohlekraftwerke konnte ich im Internet nur wenig genaueres finden inwiefern diese das Wetter lokal dann wirklich beeinflussen. Aber ein wenig dazu schreiben kann ich glücklicherweise schon, sodass ich hoffentlich auch hier ein paar für euch interessante Zeilen aufschreiben kann.

Fangen wir mit den Wolken an die aus den Schornsteinen der Kraftwerken kommen. Hier ist wichtig zu unterscheiden, dass es sich hier nicht wie man vermuten könnte um große Mengen Wasser handelt. Es handelt sich lediglich um warmen Wasserdampf der beim Prozess im Inneren des Kraftwerkes ausgestoßen wird. Durch die Wärme schnellt der Wasserdampf hier zunächst nicht sichtbar nach oben. Kommt er aber dann in den Bereich des oberen Ausgangs vom Schornstein, trifft er auf deutlich kühlere Luft und Wolkenbildung findet grundsätzlich ja statt wenn feuchte Luftmassen abkühlen. Durch diesen recht hohen Temperaturkon-trast kondensiert der Wasserdampf und bildet Tröpfchen. Diese werden für uns aufgrund ihrer Menge und der Lichtstreuung als Wolken direkt ab dem oberen Schornsteinbereich sichtbar. Sehr wichtig ist hier aber zu wissen, dass dieser Wasserdampfanteil den die Kraftwerke ausstoßen für die umliegende Atmosphäre keinerlei besondere Mengen darstellen. Daher muss man wohl vermuten, dass deren Auswirkung auf die Wetterlage als eher sehr gering zu sehen ist.

Ein wichtigerer Aspekt bilden hier aber ebenfalls die Staubpartikel. Zwar haben die Kraftwerke schon bessere Filteranlagen als früher, aber gibt es immernoch genügend Partikel die so klein sind, dass auch hier die Filter wirkungslos sind. Das sind leider auch genau die Teilchen, die besonders gesundheitsgefährdend sind da sie tief in die Lunge eindringen können. Aber zurück zum Wetter. Wie wir im Abschnitt über die Wolkenbildung gelernt haben, sind Kondensationskerne nötig, damit der Wasserdampf kondensieren kann und sich an diesen Kernen Wassertröpfchen bilden können. Der hinaufschnellende Wasserdampf aus dem Schorn-stein nimmt dabei natürlich auch eine große Menge an winzigen Partikeln mit nach oben, die dort als Kondensationskerne dienen können. Die Folge davon ist, dass der aufsteigende Wasserdampf viele Kondensationskerne zur Verfügung hat und somit verstärkt Wolken bilden kann. Es gibt schon ein paar Untersuchungen zur Folge des Prozesses. Dabei wurde festgestellt, dass aufgrund der hohen Anzahl von Kondensationskernen der Niederschlag hinausgezögert wird. Dies erscheint ohne Frage sinnvoll, denn gibt es mehr Möglichkeiten zur Anlagerung der Wassertröpfchen an die Kerne, wachsen diese nicht ganz so schnell. Somit dauert es länger, bis die Wassertropfen groß genug sind damit sie vom Gewicht her hinunterfallen. Dies führt dann zu einer möglichen Verzögerung des Niederschlages, sagt aber nichts über dessen Stärke aus. Hier würde nur die Verteilung des Niederschlages beeinflusst. Für zum Beispiel Niederaußem würde das bedeuten, dass unmittelbar am Kraftwerk weniger Niederschlag fällt, als zum Beispiel weiter nordöstlich (z.B. im Bereich von Pulheim und Stommeln bei Aufzug von Niederschlag aus SW nach NO). Ich habe während der vergangenen Jahre auch schonmal gehört, dass diese Regionen zu den niederschlagsreichsten in unserem Umfeld gehören – allerdings muss man hier vorsichtig sein, denn Studien oder detailierte Messergebnisse die man als Beleg nehmen könnte findet man nicht. Daher ist dies auch eher nur eine These und es bräuchte genaue Studien. Statistisch gesehen zeigten Beobachtungen auch teilweise, dass es seltener regnet, dafür aber wenn umso kräftiger. Da dies aber auch von vielen weiteren Faktoren abhängt (nicht zuletzt von der Wetterlage), ist auch diese Beobachtung eher schwammig. Auch das CO2 welches von den Kraftwerken ausgestoßen wird hat auf das regionale Wetter eher keinen Einfluss. Das es aber unser Klima beeinflusst steht im Normalfall außer Frage, wobei aber hier die Summe aller CO2 ausstoßenden Elemente das entscheidende ist und natürlich das gesamte globale Wetter betroffen ist.

 

FAZIT: Ich denke das man schon sagen kann, dass die Kohlekraftwerke etwas Einfluss auf das regionale Wetter ausüben, allerdings lässt sich mit den aktuellen Erkenntnissen nichts entscheidendes finden. Der Wasserdampf der von den Schornsteinen hinausströmt ist im Vergleich mit dem sowieso vorhandenen Wasserdampf in der umgebenden Luft eher gering. Ohne Frage wird dieser aber auch von aufziehenden Zellen mit Aufwindbereichen aufgenommen. Einen etwas stärkeren Einfluss scheinen aber die kleinen Partikel zu haben, die ebenfalls in die Atmosphäre transportiert werden. Diese werden durch die nachfolgende vermehrte Kondensation die Wolkenbildung auch in höheren Schichten anregen. Die genaue Auswirkung davon ist aber wie erwähnt auch nicht sicher. Die Thesen, dass der Niederschlag verzögert und dann eventuell auch kräftiger fällt, klingt aber natürlich durchaus logisch. Die anderen Faktoren schaffen aber auch diesbezüglich eine Verunsicherung und auch diese Thema hier wird man nur mit ausfühlichen Studien und vorallem auch einigen lokalen Messungen genauer beantworten können.

 

 

 

Die Auswirkung von Bergregionen und Sophienhöhe auf unser Wetter

Der Einfluss der bergigen Regionen ist dagegen schon besser beobachtet und hier kann man die Vorgänge und den Einfluss dieser auf das Wetter besser beschreiben. Wenn ihr von Begriffen wie “orografische Auslöse, orografische Hebung” lest, wie ich sie auch manchmal bei Vorabinformationen verwende, könnt ihr an den nachfolgenden Abschnitt denken.

Wir gehen bei der nachfolgenden Beschreibung von einer klassischen Wetterlage aus, wo der Wind von SW-W nach NO-O weht. Die für uns einzige mit wetterbeeinflussende Bergregion ist in diesem Fall die Eifel. Die Westseite der Eifel ist hier die windzugewandte Seite und liegt damit im sogenannten Luv. Die windabgewandte Seite, also hier der östliche Teil der entsprechenden Berge liegt im Lee. Kommt nun feuchte Luft aus SW-W strömt sie gegen die Westseite der Berge der Eifel. Im Flachland reicht dabei oftmals die erforderliche Hebung nicht aus, um jetzt schon hochreichende Wolken zu bilden. Dafür brauchen wir bei uns meist eine Front oder eben auch Konvergenz. In den Bergregionen sind dann aber schon deutlich früher Auslöse von Zellen möglich. Durch die Anströmung wird an der windzugewandten Seite (hier die Westseite) die Luft zum Aufstieg gezwungen, da sie sonst die Berge nicht überwinden kann. Dabei wird dann gezwungenermaßen Wasserdampf samt der Luft vertikal den Berg hochtransportiert. Dort kühlt die Luft ab und es können sich Wolken bilden aus denen dann Schauer und Gewitter entstehen können. Damit diese aber die Berge passieren können, regnen sich diese dann ab. Aufgrund der Vielzahl von Bergen in der Eifel sind hier natürlich bestimmte Regionen prädistiniert für häufig starke Regenfälle mit lokalen Überflutungen (wie zum Beispiel die Region um Mechernich und Monschau). Wenn die Luft dann am Gipfel angekommen ist, strömt sie auf der windabgewandten Seite (Lee) wieder schneller hinunter. Durch die Bildung der Wassertropfen zuvor wurde Wärme freigesetzt, sodass die Luft nach dem Abregnen nicht nur trockener, sondern auch wärmer ist. Dies bezeichnet man in Bergregionen auch als “Föhn”, den man ja sehr gut aus dem Alpenraum kennt da er hier öfters mal sehr kräftig weht.

Bezogen auf unsere Wetterlage ist bei Gewitterlagen also ein Blick in Richtung Südwesten nie verkehrt, denn manchmal können die dort entstandenen Zellen auch unsere Region erreichen. Wir erleben hier aber ja auch oft genug, dass aus der Eifel herausziehenden Zellen dann schnell an Kraft verlieren, wenn bei uns im Flachland die Bedingungen einfach noch nicht passen. Dies ist aber auch nicht immer so. Der vorherige Abschnitt verdeutlicht aber, wieso manche Gewitterlagen dann nur auf die Bergregionen beschränkt bleiben – nämlich dann, wenn bei uns die Hebung nicht ausreicht um hochreichende Wolken zu ermöglichen. Deswegen spricht man von orografischer Hebung / Auslöse, da die Zellen dort nur durch die Orografie und die erzwungene vertikale Ausdehnung der Luft möglich ist. Für diesen Vorgang braucht es eben dort weit weniger, als im Flachland kräftige Schauer oder Gewitter entstehen zu lassen. Wir können aus unserer Region derartige Entwicklungen in Richtung Eifel, Bergisches Land aber auch in Richtung Sauerland beobachten – je nachdem wie hoch die Zellen wachsen. Das Bergische Land und manchmal auch das Sauerland lohnen aber definitiv auch einen Blick, wenn die Zugrichtung möglicher Gewitter aus östlichen Richtungen erfolgt. Dies ist zwar deutlich seltener, aber der Effekt ist natürlich der
gleiche.

Auch habe ich die vergangenen Jahre öfter beobachtet, dass die Eifel wohl auch mit dafür sorgt, dass sich Zellen die südwestlich der Eifel aufziehen eher abschwächen, wenn sie dann in unsere Region ziehen. Dies könnte damit begründet sein das diese an der Westseite der Eifel gestaut werden und dahinter dann an Kraft verlieren. Dies ist aber natürlich auch von weiteren Faktoren abhängig, wobei der Umfang und die vorhandenen Messdaten nicht ausreichen, um das genau analysieren zu können. Aus diesem Grund lasse ich das hier mal mit dem Hinweis stehen, dass es nur eine Beobachtung ist. Es kommt relativ häufig vor das unsere Region eine Abschwächung von Schauer/Gewittern erlebt, aber eben auch nicht immer. Ich habe eine solche meist bei kleinräumigen Systemen beobachtet. Handelt es sich aber um ein großräumiges und strukturiertes System wie zum Beispiel am 09.06.2014, zeigte sich nahezu keinerlei Auswirkung obwohl das Ganze ebenfalls aus SW-W zu uns zog. Somit scheint der Effekt hauptsächlich bei kleinräumigen Zellen wahrscheinlicher. Wenn wir dabei aber an die aufziehende gewittrige Schauerlinie vom 06.07.2017 denken, gab es bei uns im Rheinland eine deutliche Abschwächung trotz dieses etwas größeren Systems. Wenn die Bedingungen bei uns passen, können auch Intensivierungen erfolgen. Dies ist aber auch stark von den lokalen Gegebenheiten der Atmosphäre abhängig und da diese stetig im Wandel ist, haben hier natürlich so lokal die Wettermodelle auch große Unsicherheiten. Wetter ist eben nie gleich, denn kleinste Veränderungen der Bedingungen in der Atmosphäre können große Auswirkungen haben. Sogesehen lässt sich da also kein genaues Schema erkennen und es hängt eben wahrscheinlicher eher von den atmosphärischen Bedingungen ab, die eben auch einem ständigen Wandel unterliegen.

Bei manchen Gewitterlagen kann man auch Zellen beobachten, die von SW her aufziehen und dann entlang der Nordseite der Eifel über Euskirchen in Richtung Rhein ziehen, also dann sich westlich orientieren. Dabei handelt es sich in der Regel um stärkere Zellen die schon etwas Eigendynamik entwickeln. Diese zeigt sich meist mit einer Orientierung nach rechts. Hierbei kann es sich dann manchmal auch um sogenannte Superzellen handeln, die oftmals bei uns als Rightmover auftreten.

Da der Nordrand der Eifel dann für einen Staueffekt sorgt, ziehen diese Zellen dann dort quasi entlang. Auch an den Alpen kann man dies oft beobachten. Der Nordrand der Eifel hat natürlich auch einen Staueffekt für Wetterlagen, wo eine Zugrichtung aus nördlichen Richtungen vorliegt. Dies kann manchmal auch bei uns dann zu erhöhten Regenmengen führen, wobei dies natürlich deutlicher zu merken ist je näher sich die Region am Nordrand befindet (wie z.B. Düren oder Erftstadt).

Bei der Sophienhöhe handelt es sich um eine sogenannte Abraumhalde welche durch den Abbau von Braunkohleflözen entstand. Sie ist an der höchsten Stelle gut 301 m hoch und beinhaltet eine Fläche von 13 km². Die meisten Bereiche des Gebietes erreichen im Durchschnitt an die 200m. Auch für diese gibt es weder öffentliche Studien noch irgendwelche detailierten Informationen. Aufgrund ihrer aber doch eher geringen Höhe und vorallem auch wegen der eher kleinen Fläche, schätze ich die Auswirkung auf das Wetter aber als sehr gering bis nicht vorhanden ein.

 

FAZIT: Das die Eifel Einfluss auf das Wetter hat steht außer Frage, wie es eben bei den anderen Bergregionen ebenfalls der Fall ist. Mit Fragezeichen behaftet steht allerdings, ob diese Auswirkungen auch noch bei uns für entscheidende Wetterentwicklungen verantwortlich sind oder nicht. Während oftmals Abschwächungen zu beobachten sind gibt es aber auch Wettertage, wo diese nicht stattfinden. Bei größeren Zellsystemen scheint diese eher abschwächende Wirkung deutlich geringer zu sein oder bleibt aus, wobei es auch hier wieder ein paar Gegenbeispiele während der vergangenen Jahre gab. Im Raum der Eifel selbst sind die Auswirkungen auf das lokale Wetter dort dagegen aber deutlicher zu spüren als bei uns.

 

 

 

Die Auswirkung von Straßen, Flüsse und Seen auf unser Wetter

Während Felder teilweise große Flächen bilden und somit einen durchaus die Bildung von Wolken durch die aufsteigende Warme Luft mit beeinflussen können, sieht das bei Straßen anders aus. Diese erwärmen sich zwar noch mehr, bilden aber eine zu geringe Fläche um wirklich relevante Prozesse auslösen. Dies verhält sich änlich mit Flüssen. Zwar bieten diese aufziehenden Schauern und Gewittern eine höhere Luftfeuchte durch das Wasser, aber auch hier ist die Fläche der Flüsse viel zu klein um eine Auswirkung zu begründen. Wichtig wäre zudem, dass das Wasser eine höhere Temperatur als die Umgebung hat damit eine erhöhte Verdunstung überhaupt stattfinden würde. Das ist bei Flüssen aber eher selten bis gar nicht der Fall.

Ein anderes Beispiel sind dagegen größere Seen (z.B. der Chiemsee oder Bodensee). Wenn über die Wasseroberfläche dabei lang genug ein entsprechender Wind weht, kann die darübergleitende Luft ausreichend Feuchtigkeit aufnehmen. Diese kann dann nach oben steigen und durchaus auch die Bildung kräftigerer Wolken für Schauer und Gewitter unterstützen. Aber auch hier gilt die Voraussetzung, dass die Temperatur des Seewassers deutlich höher sein muss, als die der Umgebungsluft da diese sonst auch nicht aufsteigen könnte. Diesen Effekt nennt man Lake-Effect und dieser tritt meist nur bei besonderen Wetterlagen auf.

 

FAZIT: Die Straßen, Flüsse oder Seen in unserer Region haben eher keinen Einfluss auf das lokale Wetter.

 

 

 

Abschließende Worte:

Ich möchte jetzt abschließend noch einmal betonen, dass ich lediglich ein Hobbymeteorologe bin und somit nicht für die Richtigkeit des Artikels hier garantieren kann. Dazu fehlt mir erstens das Fachwissen und zudem habe ich leider keine Möglichkeit diese Themen genauer zu erforschen mit entsprechenden Messungen und Beobachtungen. Leider sind einige Bereiche die ich hier beschrieben habe auch noch nicht ausreichend erforscht, was eben besonders die lokalen Auswirkungen in unserer Region betrifft. Ich hoffe aber, dass ich euch einen kleinen Eindruck über die regionalen Einflüsse auf das Wetter geben konnte, die eben meist auf die eigenen Beobachtungen der vergangenen 15 Jahre beruhen oder eben auf dem Erlernten, dass ich mir privat aneignen konnte. Ich hoffe aber natürlich trotzdem, dass ihr den Artikel interessant fandet und das er nicht zu langatmig geworden ist.

 

 

Autor des Artikels:   Frank Rinas

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