Randtief / Schnellläufer

Schwer vorherzusagende und teils gefährliche Entwicklungen sind sogenannte Randtiefs, von denen man auch unter dem Namen “Schnellläufer” vielleicht schon einmal gehört hat. Dabei handelt es sich um eigene kleine Tiefdruckgebiete, welche im Randbereich von Tiefdruckgebieten (Zyklonen) an Kaltfronten entstehen und dort auch eine Eigendynamik entwickeln können, oder sogar die Funktion des steuernden Tiefs übernehmen können. In vielen Fällen verwirbelt es sich am Ende aber auch mit diesem. Randtiefs drehen sich gegen den Uhrzeigersinn um das steuernde Tiefdruckgebiet. Besonders starke Randtiefs treten meist im Herbst und Winter auf.

 

Die Grundlage der Randtiefs bilden sogenannte Wellen, welche die Vorstufe eines Randtiefs sind. Die Entstehung dieser Wellen würde hier den Rahmen allerdings sprengen, sodass ich dieses Thema nun mal weglasse. Es gibt auf jeden Fall stabile Wellen welche keine weitere Entwicklung zur Folge haben und eben instabile Wellen, die dann stärkere Wettererscheinungen hervorrufen können und eben auch die Entwicklung zu einem Randtief zulassen. Können sich diese instabilen Wellen vertiefen (vom Luftdruck her), so kann sich hier dann ein eigenständiges kleines Tiefdruckgebiet entwickeln, welches aber eine große Gefahr und besonders große Schwierigkeiten bei den Vorhersagen bereiten kann. Auch die Wellen (auch als Wellenstörnungen bekannt), können ebenfalls bevor sie ein Randtief werden schon gut merkbare Wettererscheinungen hervorrufen, wie zum Beispiel einen kräftig auffrischenden Wind mit Windsprung, kräftige schauerartige Niederschläge und Gewitter.

 

Wann wird aus einer Welle denn nun ein Randtief? Bei ausreichender Vertiefung der Welle ist nach teils kurzer Zeit ein eigenständiger Kern zu erkennen, welcher auf den Modellkarten dann teils mit einem T markiert wird. Man erkennt diese aber auch an den sogenannten Isobaren, welche nichts anderes sind als Linien gleichen Luftdrucks. Hat sich ein Randtief ausgebildet, so zeigt sich dort eine eigene Isobare (Kreis) im Kernbereich. Ein weiteres Erkennungsmerkmal ist die Bildung einer Okklusion vom Kern aus, welche mit den Merkmalen einer Okklusionsfront zu erkennen ist (meist lilane Linie, Rundungen und Zacken). Dies ist dann die Grundlage für die Entwicklung weiterer Bodenfronten (Warm- und Kaltfront) des Randtiefs.

Die weitere Entwicklung verläuft dann natürlich individuell und ist abhängig von der vorhandenen Wetterkonstellation im Allgemeinen. Grundsätzlich ist die Zugbahn natürlich ebenfalls entscheidend, welche durch eine Reihe von Konstellationen und atmosphärischen Eigenschaften beeinflusst wird, auf die ich nun aber auch nicht detailiert eingehen werde damit es nicht zu kompliziert wird.

In den vergangenen Jahren hatten wir oft die Konstellation eines steuernden Tiefdruckgebietes im Bereich nördliches Großbritannien auf dem Atlantik und im südlichen Bereich (hier wirkt sich dann auch die sogannte Frontalzone mit ihren sehr starken Winden aus) kam es dann noch westlich von Portugal auf dem Atlantik zu einer Wellenstörung. Sind die Zutaten vorhanden, so kann sich aus dieser Welle innerhalb kurzer Zeit ein Randtief bilden, welches sich dann nach Westen verlagert und bei weiterhin entsprechenden Zutaten auch zu einem Sturm- oder sogar Orkantief entwickeln kann. So kommt es auch das man diese Randtiefs unter dem Namen Schnellläufer kennt, denn sie können in nur wenigen Stunden deutlich mehr Strecke zurücklegen als die extrem weiträumigen Tiefdruckgebiete. Hier ist also eine möglichst genaue Beobachtung erforderlich um eben die für uns folgenden Wettererscheinungen rechtzeitig eingrenzen zu können. Oftmals konnten wir beobachten das viele Randtiefs durch den Ärmelkanal von Westen kamen und dann teils vor der niederländischen Küste nach Nord-Nordost abdrehten (hier bestimmte das steuernde Tief nördlich von Großbritannien die Zugbahn) oder eben wenn sie auch mal kräftiger waren auch über den Norden oder die Mitte Deutschlands zogen (teils durch Eigendynamik). Natürlich ist dies auch abhängig, wo genau sich der Kern des steuernden Tiefs befindet.

 

Das entwickelte Randtief bildet dann auch die gewohnten zyklonalen Bodenfronten aus wie wir sie von den Tiefdruckgebieten im Allgemeinen kennen – nämlich Warm- und Kaltfront. ist der Luftdruck im Kern tiefer als der des steuernden Tiefs, kann das Randtief auch die steuernde Funktion übernehmen und seine Eigendynamik wirkt. Hier wird es dann besonders gefährlich denn eine exakte Zugbahn vorherzusagen ist hier besonders schwierig. Aus diesem Grund findet ihr bei den vergangenen Randtiefpassagen bei meinen Wetterauswertungen teils aus Skizzen, die auch einige Stunden vorher noch die möglichen Zugbahnen zeigen.

Die Wettererscheinungen sind dann derer ähnlich, wenn uns ein “einfaches Tief” mit seinen Fronten beeinflusst. Das entscheidene bei einem Randtief ist aber, dass es hier meist auf deutlich kleinerem Raum und in kürzerer Zeit zu diesen Unterschieden kommt, wie eben Warmluft- und Kaltluftzufuhr, Starkwindbereiche mit Windrichtungswechsel und Temperaturunterschiede. Dadurch wird dementsprechend auch mehr Energie freigesetzt. Es konnte ebenfalls immer mal beobachtet werden, dass im Bereich des Warmsektors von Randtiefs eine etwas labilere Luftmasse vorherrschte als bei Warmsektoren von andere Tiefdruckgebieten, wodurch hier bereits eine größere Sturmgefahr bei entsprechender Entwicklung vorherrscht. Die Warmluftzufuhr ist hier ebefalls stark und wird dann von der kurz darauf folgenden Kaltluft erreicht. In diesem Bereich (Kaltfront) kann es dann zu starken Niederschlägen kommen, welche meist Schauercharakter haben und auch Linien ausbilden können. Je nach Stärke des Randtiefs kommt es hier auch zu Gewittern, da die Temperaturunterschiede, die teils hohe Labilität der Luftmasse und die Winde aus verschiedenen Richtungen dies begünstigen.

Wie etwas weiter oben erwähnt kann das Randtief dann das steuernde Tief in seiner Funktion ersetzen, oder es verwirbelt sich anschließend mit diesem bei seiner Drehung gegen den Uhrzeigersinn (um das steuernde Tief).

 

 

Abschließend fassen wir also noch einmal zusammen, wieso denn besonders Randtiefs so schwer vorherzusagen sind. Dies liegt zum Einen an ihrer Eigenschaft, dass sie einen eigenen Kern besitzen und dann je nach Stärke wie ein eigenes Tiefdrucksystem aggieren. Sind sie stark genug, können sie sich aus der Steuerung durch das Zentraltief lösen und somit ihre Eigendynamik umsetzen. Zugleich nehmen sie einen sehr großen Einfluss auf die Luftmassen in direkter Umgebung, die eben entscheidend für die Entwicklungen sind, wenn uns das Randtief näher kommt oder eben passiert. Besonders schwer ist da eben die Zugbahn, die aber erforderlich ist für die Einschätzung der Wettererscheinungen vor Ort. So wird es auch weiterhin nur sehr begrenzt möglich sein, diese Entwicklungen wenige Tage vorher schon etwas im Detail zu beschreiben. So bleiben Randtiefs gefährliche Kandidaten für den Kurzfristbereich, die teilweise nur wenige Stunden vor Ankunft zuverlässig beschrieben werden können.

 

 

Beispielhafte markante Randtiefs:

 

28.10.2013:               

Orkantief “Christian” (Sturmwirbel bei Schottland) ; Zugbahn: Atlantik-Mittelengland-Nordsee-Dänemark-Schweden

Auswirkung bei uns: Sturmböen 80-90 km/h, Niederschlagslinie

 

17./18.09.2013:  

Sturmtief “Schorsch” (Steuerndes Tief nordöstlich von Großbritannien) ; Zugbahn: Süd-Großbritannien – Mitte von Deutschland – Polen)

Auswirkung bei uns: Kernbereich, wenig Wind. Auf der Rückseite schauerartiger Niederschlag

 

24./25.11.2012:  

Sturmtief “Franziska” (Steuerndes Tief bei Island) ; Zugbahn: Atlantik – NW-Frankreich, Süd-Großbritannien – Nordsee

Auswirkung bei uns: Böen von 65-75 km/h, leichter Niederschlag

 

24.09.2012:               

Randtief “Karin” (Steuerndes Tief südlich von Island) ; Zugbahn: NW-Frankreich – Ärmelkanal – Nordsee – Mitte von Großbritannien

Auswirkung bei uns: Teils schauerartige Niederschläge, lokale Gewitter

 

04./05.12.2011:               

Sturmtief “Christoph” (Sturmwirbel Westküste Norwegens) ; Zugbahn: West- nach Ostdeutschland

Auswirkung bei uns: Böen von 50-60 km/h, mit der Kaltfront etwas Niederschlag

 

22.02.2008:               

Sturmtief “Annette” (Steuerndes Tief über dem Nordmeer / Nordskandinavien) ; Zugbahn: über Südschweden nach Osten

Auswirkung bei uns: Böen von 50-60 km/h

 

11.05.2007:               

Sturmtief “Ewald II” (Steuerndes Tief im Nordmeer) ; Zugbahn: West- nach Ostdeutschland

Auswirkung bei uns: Böen von 70-85 km/h

 

08.12.2006:               

Sturmtief “Vera” (Steuerndes Tief vor der Westküste Norwegens) ; Zugbahn: Biskaya – N-Frankreich – Benelux – Norddeutschland

Auswirkung bei uns: Böen von 70-90 km/h

 

 

 

Autor des Artikels:  Frank Rinas

 

 

 

 

error: